Ungewöhnliche Klage

Personalgespräch ist kein Dienstunfall

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Foto: Das Verwaltungsgericht in Göttingen musste sich mit einer ungewöhnlichen Klage auseinandersetzen.

Göttingen - Kann jemand durch ein Personalgespräch dienstunfähig werden? Mit dieser ungewöhnlichen Frage musste sich jetzt das Verwaltungsgericht Göttingen beschäftigen. Ein Lehrer hatte die Landesschulbehörde verklagt, weil diese sich geweigert hatte, ein Personalgespräch als Dienstunfall anzuerkennen.

Der Kläger aus dem Landkreis Göttingen, der vor vier Jahren vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden war, führte seine Dienstunfähigkeit auf ein Gespräch mit einem Dezernenten der Schulbehörde zurück. Dies habe ihn so traumatisiert, dass er dauerhaft erkrankte. Das Gericht fand dafür jedoch keinen Anhaltspunkt. Ein Personalgespräch sei ein üblicher Vorgang, mit dem jeder Beamte rechnen müsse (Az.: 1 A 31/13).

Der Kläger war mehrere Monate Rektor einer Grundschule gewesen und danach auf eigenen Wunsch an eine Hauptschule abgeordnet worden, nachdem er sich über „andauernde Angriffe“ von Eltern und Kollegen beklagt hatte. In der Folgezeit bot die Schulbehörde dem Lehrer, der sich als Mobbingopfer sah, mehrere Alternativen an. Einige Monate später suchte der zuständige Dezernent, der bereits mehrere Gespräche mit dem Lehrer geführt hatte, diesen in einer Unterrichtspause auf, um erneut über dessen berufliche Zukunft zu sprechen. Der Lehrer gab anschließend zwei Stunden Unterricht. Danach meldete er sich krank und zog seine Bewerbung um eine Schulleiterstelle zurück. Nach längerer Behandlung in einer medizinisch-psychosomatischen Klinik wurde er als arbeitsunfähig entlassen und später in den Ruhestand versetzt.

Nach Ansicht des Lehrers war das Gespräch mit dem Dezernenten der Auslöser seiner Erkrankung. Dessen unnachgiebige Art habe dazu geführt, dass er sich physisch und psychisch äußerst schlecht gefühlt und akute Angst vor einem Herzinfarkt bekommen habe. Daraus habe sich eine schwere depressive Episode und Angststörung entwickelt. Er beantragte deshalb, das Gespräch als Dienstunfall anzuerkennen. Damit hätte er Anspruch auf zusätzliche Leistungen aus der Unfallfürsorge. Das Gericht sah jedoch keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Gespräch und der Erkrankung. Selbst wenn der Dezernent eine gewisse Ungeduld gezeigt haben sollte, wäre dies nachvollziehbar und nicht unangemessen gewesen, jedoch nicht der Grund für die Dienstunfähigkeit. Der Kläger sei vielmehr bereits seit Längerem gesundheitlich beeinträchtigt gewesen und habe sich auch zeitweise in psychiatrischer Behandlung befunden. Vermutlich sei das Gespräch nur der „letzte Tropfen“ gewesen, der das „Fass zum Überlaufen“ brachte.

Heidi Niemann

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