„Die Kirche ist nicht sexualfeindlich“

Pfarrer will erotischen Gottesdienst feiern

+
Foto: Pfarrer Ralf Schmidt will am Sonntag einen „erotischen Gottesdienst“ feiern.

Wiesbaden - „Poppen“ und „Ficken“ sagen alle seine Schüler, meint ein Wiesbadener Pfarrer. Er will deshalb einen erotischen Gottesdienst feiern. Und schönere Worte für den Liebesakt finden.

Erotik in der Kirche? Für Pfarrer Ralf Schmidt ist das kein Widerspruch. An diesem Sonntag plant er in seiner evangelischen Erlösergemeinde im Mainzer Stadtteil Kastel einen „erotischen Gottesdienst“. Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa erklärt Schmidt, was dahintersteckt.

Was erwartet die Kirchgänger beim „erotischen Gottesdienst“?

Ralf Schmidt: „Es ist ein Gottesdienst für alle Sinne und vor allem für die prickelnden Sinne. Mit Worten, mit Riechen, mit Fühlen mit Tasten wird alles angesprochen und der Mensch soll aus dem Gottesdienst rausgehen und eine wohlige Wärme in sich spüren.“

Aber beginnen soll es mit deftigen Worten?

Schmidt: „Bei der Predigt werde ich deftige Worte verwenden, weil unsere Sprache in Bezug auf Sexualität und Erotik sehr vulgär ist. Dann werde ich aber die mit Schülern erarbeiteten guten Worte, um Sexualität zu beschreiben ins Zentrum rücken, so dass die Menschen aus dem Gottesdienst hinausgehen und neue Worte für Sexualität haben, die gut tun.“

Was wollen Sie mit dem Gottesdienst erreichen?

Schmidt: „Ich möchte erreichen, dass die Menschen erleben: Die Kirche ist nicht sexualfeindlich, nicht leibfeindlich, und dass unsere menschliche Sexualität gottgegeben ist und dass wir sie ausleben sollen und praktizieren. Auch in der Sexualität ist Gott gegenwärtig. Ich bin davon überzeugt, dass die Gesellschaft eine neue Sexualmoral braucht, da unser ganzes leben auch durch Werbung dermaßen sexualisiert ist, dass sich die Kirche einer Antwort nicht entziehen kann, sondern Worte finden muss, die auch in die Sexualität hineinwirken.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare