Lebensmittel-Skandal

Pferdefleisch-Ravioli kamen aus Niedersachsen

Hannover/Berlin - Der Pferdefleisch-Skandal zieht in Niedersachsen immer weitere Kreise: In zwei weiteren Kühlhäusern wurde die Auslieferung möglicherweise betroffener Ware vorsorglich gestoppt. Zuvor war zudem bekannt geworden, dass Ravioli-Dosen mit Pferdefleisch, die bei Aldi-Süd aus den Regalen genommen wurden, von einem Lieferanten aus Buchholz in der Nordheide stammen.

Im Pferdefleisch-Skandal ist in Niedersachsen in weiteren Kühlhäusern die Auslieferung von Ware gestoppt worden, in der sich nicht deklariertes Pferdefleisch befinden könnte. Die Lager in den Kreisen Osnabrück und Leer seien von einem Handelsunternehmen mit Sitz in Baden-Württemberg beliefert worden, das unter anderem Produkte von Comigel bezieht, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Montag mit. Das französische Unternehmen steht im Verdacht, statt des deklarierten Rindfleisches Pferdefleisch geliefert zu haben. Zuvor war bereits die Auslieferung aus einem Kühlhaus im Kreis Verden gestoppt worden, das zu einer ebenfalls von Comigel belieferten Firma gehört.

Bekannt wurde am Montag auch, dass Ravioli-Dosen mit Pferdefleisch, die bei Aldi-Süd aus den Regalen genommen wurden, von einem Lieferanten aus Buchholz in der Nordheide stammen. Der Hersteller des Produktes "Cucina Ravioli, 800 Gramm Bolognese" sitze in Frankreich, sämtliche möglichen weiteren Lieferwege würden derzeit ermittelt, sagte die Ministeriumssprecherin. Er bestätigte damit einen Bericht des NDR.

Die von niedersächsischen Behörden veranlassten Untersuchungen von Fertiggerichten mit Hackfleisch haben unterdessen noch nicht zu Ergebnissen geführt. An seinem letzten Arbeitstag vertrat der scheidende Landwirtschaftsminister Gert Lindemann (CDU) Niedersachsen am Montag bei der Verbraucherschutzkonferenz zum Pferdefleischskandal in Berlin.

Auch der Discounter Aldi Nord ist bei der Suche nach Pferdefleisch in Fertiggerichten fündig geworden. In "Tiefkühl Penne Bolognese 750 g" und "Gulasch 540 g Dose, Sorte Rind" seien Anteile von Pferdefleisch nachgewiesen worden, teilte Aldi Nord am Montag in Essen mit. Das Gulasch des Lieferanten Omnimax sei nur in den Aldi-Nord-Regionalgesellschaften Meitzendorf (Raum Magdeburg), Mittenwalde (Raum Süd-Ost-Berlin, Süd-Ost-Brandenburg) und Hoyerswerda (Raum Süd-Ost-Brandenburg, Nord- und Ost-Sachsen) vertrieben worden. Die Tiefkühl Penne Bolognese eines anderen Lieferanten sei in allen deutschen Filialen von Aldi Nord verkauft worden. Aktuell bestünden keine Hinweise auf ein gesundheitliches Risiko. Die Lieferanten hätten gebeten, die Artikel vorsorglich aus dem Verkauf zu nehmen.

Unterdessen haben am Montag die Beratungen der Verbraucherminister von Bund und Ländern über Konsequenzen aus dem Pferdefleischskandal in Berlin begonnen. Nach Vorstellungen von Bundesministerin Ilse Aigner (CSU) sollen Fleischprodukte bis Ende März EU-weit koordiniert auf nicht deklariertes Pferdefleisch und Rückstände von Tiermedikamenten untersucht werden. Zudem sollen Bund und Länder Informationen über zurückgerufene Produkte auf eine zentrale Internetseite stellen.

Mecklenburg-Vorpommerns Verbraucherminister Till Backhaus (SPD) sagte am Montag auf NDR Info, die aktuellen Regelungen reichten nicht aus. Er sprach sich unter anderem für "drakonische Strafen" aus. Schließlich seien die Verbraucher ausdrücklich getäuscht worden. Backhaus erwartet von dem heutigen Treffen mit seinen Kollegen aus Bund und Ländern weitere Aufklärung. Gleichzeitig warf er Aigner "Aktionismus" vor. Es werde so getan, als habe die Politik das Zepter des Handelns übernommen. Dabei fehlten in dem Nationalen Aktionsplan Aigners Aussagen, wie die Lebensmittelunternehmer in die Pflicht genommen werden sollen.

Der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) rief die Verbraucher angesichts des Pferdefleischskandals zu mehr Vorsicht beim Einkauf auf. "Schlussendlich hat es jeder Verbraucher selbst in der Hand, sich vor solchen Dingen zu schützen", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Wer immer nur darauf achte, die aller billigsten Schnäppchen zu kaufen, ohne darüber nachzudenken, ob das für diesen Preis überhaupt herstellbar sei, der habe seinen Beitrag auch dazu geleistet, das es soweit komme.

In NRW können Verbrauchern ab sofort im Internet verfolgen, welche Fertigmahlzeiten im Zuge des Pferdefleischskandals zurückgerufen oder aus den Regalen genommen wurden. Das Düsseldorfer Verbraucherschutzministerium hat am Montag die Seite rueckrufe.nrw.de gestartet. Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) begründete die Aktion mit der aus seiner Sicht unzureichenden Information durch einen Teil der Lebensmittelwirtschaft. Die Liste enthält derzeit neun Produkte von Unternehmen, die ihren Hauptfirmensitz in Nordrhein-Westfalen haben. Die Liste, die auf Veröffentlichungen der Unternehmen beruht, soll fortlaufend aktualisiert werden. "Bisher mussten die Verbraucher jede Firmenseite einzeln aufrufen, um sich ein Bild zu machen. Mit dem Start der ersten bundesweiten Internet-Seite zum Pferdefleischskandal wird diese Lücke geschlossen", teilte Remmel mit. Mit den anderen Bundesländern sei vereinbart, dass auch dort entsprechende Seiten aufgebaut werden.

frs/dapd/dpa

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