Verden

Pfleger sollen Behinderte missbraucht haben

Verden - Zwei Pfleger eines Behindertenheims im Heidekreis sollen unabhängig voneinander eine körperlich und geistig schwerstbehinderte Frau sexuell missbraucht haben. Nun müssen sich der 47-Jährige und der 50-Jährige vor Gericht verantworten.

Ohne die Schwangerschaft des Opfers wäre die Sache womöglich nicht aufgeflogen: Zwei Pfleger sollen unabhängig voneinander in einem Behindertenheim in Stellichte im Heidekreis eine körperlich und geistig schwerstbehinderte Frau sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft Verden hat gegen die 47 und 50 Jahre alten Männer Anklage wegen sexuellen Missbrauchs einer widerstandsunfähigen Person erhoben. „In beiden Fällen ist der Beischlaf vollzogen worden“, sagte Sprecher Lutz Gaebel am Mittwoch. Die Betroffene sei wegen ihrer Behinderung „nicht in der Lage, sich gegen irgendetwas zu wehren“. Ende Juli vergangenen Jahres war die Schwangerschaft der 45 Jahre alten Heimbewohnerin im Rahmen einer Krankenhausbehandlung festgestellt worden.

„Wir haben sofort die Heimaufsicht informiert“, sagt Geschäftsführer Bastian Kahn. Schnell hätten sich Hinweise verdichtet, wonach ein Mitarbeiter „seine Pflichten verletzt“ und mit der Schutzbefohlenen Geschlechtsverkehr gehabt hatte. Auf Anraten seiner Vorgesetzten habe der Mann sich der Polizei gestellt. Ihm wurde vom Heim fristlos gekündigt.

Eine von der Staatsanwaltschaft in Auftrag gegebene Genanalyse ergab dann allerdings, dass es sich bei dem Geständigen gar nicht um den Erzeuger des Fötus handelte.

Als Tatverdächtiger wurde nun ein weiterer Pfleger ausgemacht, der sich gleich nach Bekanntwerden der Schwangerschaft arbeitsunfähig gemeldet hatte. Die Staatsanwalt untersuchte auch seine DNA – diesmal gab es eine Übereinstimmung. „Er äußert sich zum Vorwurf nicht“, berichtete Gaebel. Der Vorwurf, der auch den „Missbrauch von Kranken und Hilfsbedürftigen in Einrichtungen“ umfasse, sei mit einer Strafandrohung zwischen zwei und 15 Jahren versehen. Die Fälle seien jedoch beim Schöffengericht in Walsrode angeklagt worden, wo die Strafe bei höchstens vier Jahren liege. Amtsgerichtsdirektor Gerhard Otto sagte am Mittwoch: „Eine Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens steht unmittelbar bevor.“

Das privat betriebene Heim verfügt über 102 Plätze, ausschließlich für Erwachsene. Sie sind nach Angaben des Geschäftsführers fast durchweg von Schwerstbehinderten der höchsten Pflegestufe belegt. Kahn sagte auf Anfrage, man habe mittlerweile „verschiedene Maßnahmen umgesetzt“, damit dergleichen nicht mehr vorkomme. Mit dem Betreuerbeirat und dem Betriebsrat sei jedoch vereinbart worden, sich erst zu Prozessbeginn zu Einzelheiten zu äußern. Über die betroffene Bewohnerin könne er aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nichts sagen. Auch zum Zeitraum des Missbrauchs wollte er sich nicht äußern. Abmeldungen aus dem Heim habe es nach den Vorfällen nicht gegeben. „Wir haben viel Zuspruch erhalten, weil wir sehr offen damit umgegangen sind“, berichtete Kahn.

Angeblich geht einer der Pfleger inzwischen rechtlich gegen seine Kündigung durch die Behinderteneinrichtung vor. Geschäftsführer Kahn wollte das weder bestätigen noch dementieren, sagte jedoch: „Beiden Angeklagten bleibt das Recht auf eine Kündigungsschutzklage unbenommen.“

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