Staatsanwalt bestätigt

Ein Pilot war bei Absturz aus Cockpit ausgesperrt

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Foto: Nach Angaben der "New York Times" und der Nachrichtenagentur AFP saß zum Zeitpunkt des Absturzes nur ein Pilot im Cockpit. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Washington - Einer der beiden Piloten der abgestürzten Germanwings-Maschine war zum Zeitpunkt der Katastrophe aus dem Cockpit ausgesperrt. Das hat ein Düsseldorfer Staatsanwalt am Donnerstag bestätigt. Zuvor hatte bereits "New York Times" davon berichtet.

  1. Der zweite Flugschreiber ist noch nicht gefunden.
  2. Nach Angaben Robins wurde am Mittwochnachmittag mit der Bergung der Toten begonnen. Jetzt beginnt die Identifizierung mit DNA.

Wie ein Ermittler der "New York Times" mitteilte, habe einer der beiden Piloten das Cockpit verlassen, nachdem die Reiseflughöhe erreicht worden sei. Auf dem Sprachrekorder, der zurzeit ausgewertet werde, sei dann zu hören, wie von außen gegen die Tür gekloppt werde - zuerst zaghaft, anschließend immer stärker. Schließlich hätte der Pilot sogar vergeblich versucht, die Tür einzutreten. "Fest steht, dass zum Schluss des Fluges der andere Pilot allein im Cockpit sitzt und die Tür von innen nicht öffnet", sagt der Ermittler, der namentlich nicht genannt wird.

Das Rätselraten hält an

Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 sind in Flugzeugen die Cockpittüren besonders gesichert worden, um unerlaubtes Eindringen zu verhindern. Die Türen halten selbst Schüsse ins Cockpit ab und können von der Crew nur mit einem bestimmten Code geöffnet werden - jede Airline hat dabei ihre speziellen Regelungen.

Über ein weiteres Detail berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP: Demnach war der Copilot erst seit Ende 2013 bei der Fluggesellschaft Germanwings tätig. Zuvor habe er einige hundert Flugstunden absolviert. Peter Goelz, Flugexperte beim US-Sender CNN in Washington, bezeichnet die neuen Erkenntnisse als eine "schrecklich schockierende Enthüllung". Allerdings sei weiterhin unklar, was sich letztlich im Cockpit in den Minuten vor dem Aufprall abgespielt hatte.

Das Rätselraten hält an: "Es ist möglich, dass es einen medizinischen Notfall gab. Aber es lässt sich bisher auch nicht ausschließen, dass es sich um einen Selbstmordattentat handelt", so Goelz. Es sei jedenfalls im höchsten Maße seltsam, dass der Pilot, der sich noch im Cockpit befand, während des mehrminütigen Sinkfluges keinerlei Kontakt zum Bodenkontrollzentrum hatte.

Die Experten des amerikanischen Bundespolizei FBI, die in Deutschland, Frankreich und Spanien tätig sind, hätten bereits zahlreiche geheimdienstliche Quellen durchforstet, ohne allerdings Auffälligkeiten beim Germanwings-Flug 4U9525 zu finden. Bis zu dem Moment, als ein Mann das Cockpit verließ, hätten sich die beiden Piloten ganz ruhig und entspannt auf deutsch unterhalten.

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Alle Informationen zum Absturz sind hierzusammengefasst.

Die "New York Times" beruft sich auf einen Ermittler aus Militärkreisen, der sich nur anonym äußern wollte, da die Untersuchungen zurzeit noch anhalten. An der Seriosität der Berichterstattung herrschte am Donnerstag in Amerika kein Zweifel, zumal die Journalistin Nicola Clark zu dem Autorenteam gehört - eine preisgekrönte Luftfahrtberichterstatterin, die auf Airbus-Themen spezialisiert ist.

Der Lufthansa-Konzern wollte sich in der Nacht zum Donnerstag nicht zu dem Bericht der US-Zeitung äußern. Lufthansa und Germanwings wollen am Mittag auf einer Pressekonferenz über die Ursachensuche informieren.

Am Mittwoch hatten die französischen Behörden am Mittwoch mitgeteilt, dass es verwertbare Audiodateien aus dem Stimmenrekorder des Flugzeuges gebe - obwohl der Airbus A320 am Dienstag auf seinem Flug von Barcelona nach Düsseldorf mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Felswand in den südfranzösischen Alpen prallte. Alle 150 Insassen kamen ums Leben.

Unterdessen sind Hinterbliebene zur Unglücksstelle in Südfrankreich unterwegs. Vom Flughafen Düsseldorf hob am Morgen ein Lufthansa-Airbus mit rund 50 Angehörigen ab. Mit an Bord reist auch ein Betreuer-Team, bestehend aus Seelsorgern, Ärzten und Psychologen. Nach Informationen des Flughafens ist am Vormittag außerdem noch ein zweiter Sonderflug ab Düsseldorf mit Hinterbliebenen der Crew geplant.

Verärgerung über CDU-Abegordneten

Im Bundestag hat die Unionsfraktionsspitze verärgert über eine Warnung des CDU-Abgeordneten Karl-Georg Wellmann vor Flügen mit Germanwings reagiert. Wellmann ist deswegen von der Rednerliste für eine Debatte im Bundestag gestrichen worden, hieß es in Fraktionskreisen. Die Fraktionsführung habe überhaupt kein Verständnis für Wellmanns Eintrag auf seiner Facebook-Seite. Dort hieß es : "Vor Germanwings kann man nur noch warnen. Überalterte Maschinen und miserabler Service. Mit denen werde ich nicht mehr fliegen."

So sind Cockpit-Türen gesichert:

Nach den Terror-Anschlägen vom 11. September 2001 sind in Flugzeugen die Cockpittüren besonders gesichert worden, um unerlaubtes Eindringen zu verhindern. Die Türen halten selbst Schüsse ins Cockpit ab und können von der Crew nur mit einem bestimmten Code geöffnet werden - jede Airline hat dabei ihre speziellen Regelungen.

Eine Video-Kamera zeigt der Besatzung nach Airbus-Angaben zudem, wer gerade Einlass begehrt. Bei einer Bedrohungslage können die Piloten die Tür aber auch dann blockieren, wenn außen der korrekte Code eingegeben wird. In besonderen Notfällen besteht nach Angaben der Vereinigung Cockpit technisch zwar die Möglichkeit, auch von außen die Cockpittür zu öffnen - aus Sicherheitsgründen meist nach einer Zeitverzögerung, die je nach Programmierung Sekunden oder auch Minuten dauern kann. Sie versagt aber, wenn der Pilot im Cockpit den Zugang blockiert. dpa

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