Somalia

Von Piraten entführte Segler bitten verzweifelt um Hilfe

- Ein seit mehr als drei Monaten von somalischen Piraten festgehaltenes britisches Ehepaar hat sich mit einem dringenden Hilfsappell an die Öffentlichkeit gewandt. „Bitte helfen Sie uns, diese Leute behandeln uns nicht gut“, sagte die 56-jährige Rachel Chandler dem Arzt Abdi Mohamed Helmi Hangul, der das Ehepaar kurz untersuchen durfte.

Rachel Chandler und ihr Mann Paul waren am 23. Oktober im Indischen Ozean auf ihrer Segelyacht „Lynn Rival“ von Piraten überfallen worden. Die Entführer halten sie seitdem in getrennten Verstecken in der Nähe der Kleinstadt Amara fest. Hangul gehört dem gleichen Clan wie die Kidnapper an und wurde bei seinem Besuch am Donnerstag von einem AFP-Fotografen begleitet. Die beiden Briten durften damit erstmals seit ihrer Entführung im Oktober einen Journalisten treffen. Beide sind seinen Angaben zufolge gesundheitlich und psychisch angeschlagen.

„Ich bin alt. Ich bin 56 und mein Mann ist 60 Jahre alt“, sagte Rachel Chandler, die in einem kleinen Zelt aus Tüchern, Netzen und Planen festgehalten und von bewaffneten Piraten bewacht wird, dem Arzt. Sie wolle wieder mit ihrem Mann zusammen sein, „weil uns nicht mehr viel Zeit bleibt“.

Nach Angaben Hanguls geht es den beiden Briten gesundheitlich nicht gut. Sollte ihnen nicht bald geholfen werden, drohe sich ihr Zustand weiter zu verschlechtern, sagte der angesehene Arzt, der aus der Piratenhochburg Hobyo stammt und lange in einer Klinik in der Hauptstadt Mogadischu arbeitete.

Rachel Chandler sei sehr ängstlich und verwirrt, außerdem leide sie an Schlafstörungen und Herzrasen, berichtete Hangul. „Sie ist sehr durcheinander, sie fragt ständig nach ihrem Mann“, sagte der Arzt, der sich nach eigenen Angaben drei Wochen lang darum bemüht hatte, die Chandlers untersuchen zu dürfen. Paul Chandler leidet demnach an Husten und leichtem Fieber. Psychisch scheine er die Gefangenschaft aber besser zu verkraften als seine Frau.

Doch auch der 60-jährige Ehemann bat verzweifelt um Hilfe. „Wir sind seit 98 Tagen in Gefangenschaft und es geht uns nicht gut“, sagte er. „Bitte helfen Sie uns. Wir haben niemanden der uns helfen kann, wir haben keine Kinder.“

Medikamente durfte Hangul den Briten nicht mitbringen. Er habe den Entführern aber ein Rezept gegeben und sie davor gewarnt, dass ihre Geiseln sterben könnten. „Alles was ihr wollt, ist Geld. Also behandelt sie gut und lasst sie wieder zusammen sein“, sagte er ihnen. Die Piraten hätten zwar eingewilligt, er könne aber nicht sagen, ob sie sich an ihre Zusage halten.

Vor gut einer Woche hatte Paul Chandler in einem Telefoninterview mit dem Sender ITV News gesagt, dass die Entführer die „Geduld verloren“ hätten. Sie setzten demnach ein Ultimatum von drei bis vier Tagen und drohten damit, die Geiseln zu töten. Bei dem Besuch des Arztes äußerten sich weder die Briten noch ihre Entführer zu dem geforderten Lösegeld und möglichen Verhandlungen.

Auch ein Sprecher des britischen Außenministeriums wollte sich am Sonntag nicht zum Stand der Verhandlungen äußern. Die britischen Behörden täten dafür alles dafür, um eine Freilassung zu erreichen. Sie beobachteten die Situation sehr genau und nähmen regelmäßig Kontakt zu der Familie auf.

AFP

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