Lehrer-Mehrarbeit

Ein polarisierendes Thema

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„Eine größere Dreistigkeit hat es noch nicht gegeben“: Björn Försterling (FDP) im Landtag.

Hannover - Die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer führt im Landtag zu einer hitzigen Debatte. Die Opposition wirft der Landesregierung vor, den Lehrern im Wahlkampf nichts davon angedeutet zu haben.

„Eine größere Dreistigkeit hat es noch nicht gegeben“, schreit fast der Abgeordnete Björn Försterling (FDP) ins Mikrofon. Im Landtag geht es am frühen Mittwochmorgen um die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung für Gymnasiallehrer. Und FDP und CDU schießen gegen die rot-grüne Landesregierung aus allen Rohren. Es sei doch dreist, wenn die Abgeordnete Ina Korter (Grüne) zugebe, dass die Arbeitsbelastung an den Schulen gestiegen sei und Rot-Grün gleichzeitig eine Stunde draufschlage, meint Försterling: „Wenn Sie das den 40 000 Betroffenen vor der Wahl gesagt hätten, dann säßen Sie heute nicht in der Regierung.“

Die Grüne Korter hatte als Erste die Regierungspläne verteidigt, gegen die die Lehrerverbände gemeinsam mit der Opposition derzeit Sturm laufen. Es geht um eine Stunde mehr Unterricht, die die Gymnasiallehrer leisten sollen.

Der Abgeordnete Kai Seefried (CDU) sprach von einem massiven Vertrauensbruch der Regierung: „Das ist skandalös und unverschämt.“ Korter konterte, dass die gestiegene Arbeitsbelastung an den Schulen auch „auf Hinterlassenschaften der schwarz-gelben Regierung“ zurückzuführen sei. Sie nannte neben dem Turbo-Abitur ein zusätzliches fünftes Prüfungsfach. Auch die Anzahl der vorgeschriebenen Klausuren sei von der Vorgängerregierung um 25 Prozent erhöht worden. „Sie spielen sich hier als Retter der Gymnasien auf, dabei haben Sie diesen Stress eingebracht“, wetterte die Politikerin mit Blick auf die Opposition.

Im Übrigen sei die Belastung der Lehrer an anderen Schulformen höher als an den Gymnasien. Die Entscheidung vieler Schulen, als Reaktion auf die verlangte Mehrarbeit die Klassenfahrten für Schüler abzusagen, sei jedenfalls „das falsche Signal“, kritisiert Korter.

Dies war der einzige Fall von Lehrerschelte in der Debatte, in der alle herausstrichen, wie wichtig doch die Pädagogen seien. Ebenso beteuerten nahezu alle Redner, dass auch die Lehrer Menschen seien, obwohl niemand die These geäußert hätte, dass in der Schulpolitik Außerirdische am Werke seien. Auch der Abgeordnete Claus-Peter Poppe (SPD), einst Schulleiter, betont dies. Auf Versammlungen würden Politiker von SPD und Grünen jetzt häufig aber als „Lügner und Betrüger“ diffamiert, ja, es werde sogar vom „Faschismus gegen Lehrer“ gesprochen.

Zum Schluss der Debatte tritt auch Kultusministerin Frauke Heiligenstadt ans Podium. Sie bestreitet den Vorwurf der Opposition, die Regierung betreibe Stellenabbau. „Wir setzen nicht den Rotstift an.“ Stattdessen würden 5000 zusätzliche Krippenplätze geschaffen und neue Stellen an den Ganztagsschulen. „Da stellen wir uns deutlich besser an als unsere Vorgänger“, sagt die Ministerin. Und erinnert daran, dass die Beschäftigungsverhältnisse an Ganztagsschulen schon den Staatsanwalt auf den Plan gerufen hätten.

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