1. WLZ
  2. Panorama

Polio-Fälle häufen sich – „Ernstes Problem für globale Welt“

Erstellt:

Von: Tanja Koch

Kommentare

Die vom U.S. Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellte Illustration aus dem Jahr 2014 zeigt ein Poliovirus-Partikel.
Die vom U.S. Centers for Disease Control and Prevention zur Verfügung gestellte Illustration aus dem Jahr 2014 zeigt ein Poliovirus-Partikel. © picture alliance/dpa/CDC/AP | -

Zuletzt werden immer mehr Polio-Fälle öffentlich. Fachleute zeigen sich äußerst besorgt.

London/Rockland County – Nachdem im Abwasser von Großbritanniens Hauptstadt London Polio-Erreger gefunden wurden, startet das Gesundheitsministerium eine Impfkampagne gegen die auch Kinderlähmung genannte Krankheit. Eine Million Kinder sollen demnach, ähnlich wie es bei Corona der Fall ist, eine Booster-Impfung erhalten. Empfohlen sei dies, so teilte das Ministerium mit, für Kinder zwischen einem und neun Jahren.

Zwar haben die Behörden in London bislang keine neuen Infektionsfälle registrieren können. Der Nachweis der Erreger in verschiedenen Kläranlagen deutete aber darauf hin, „dass es in diesen Bezirken ein gewisses Maß an Virusübertragung gibt, das sich auf angrenzende Gebiete ausbreiten kann“, erklärte das Ministerium. Die Polio-Expertin Kathlene O‘Reilly befürchtet „eine lokale Ausbreitung des Polio-Virus“. Insbesondere Menschen mit fehlender oder unvollständiger Immunisierung seien höchstwahrscheinlich davon betroffen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) liegt die Polio-Impfrate in London bei knapp 87 Prozent – das ist weniger als im Rest des Landes.

Polio: Erster Fall seit fast einem Jahrzehnt in den USA – Ansteckung wohl aufgrund der Schluck-Impfung

In den USA war erst kürzlich der erste Polio-Fall seit fast einem Jahrzehnt gemeldet worden. Ärzte in dem betroffenen Bezirk sind aufgerufen, in Bezug auf mögliche weitere Ansteckungen wachsam zu sein. Ungeimpfte Bewohner in Rockland County, etwa 50 Kilometer nördlich von Manhattan, sollten sich zudem dringend ein Vakzin verabreichen lassen.

Poliomyelitis – die medizinische Bezeichnung für Kinderlähmung – war bis in die 50er Jahre auf der ganzen Welt verbreitet. Nachdem ein Impfstoff gefunden wurde, konnte die Krankheit in den meisten Regionen der Welt ausgerottet werden. In England war es im Jahr 1984 zum letzten Fall gekommen, in den USA war die letzte Infektion mit dem Wild-Typ des Virus 1979 registriert worden.

Die Schluck-Impfung, die einen abgeschwächten Virus-Typ enthält, schützt vollständig Geimpfte vor einer Infektion. Mit Impfviren kontaminierte Fäkalien im Abwasser können jedoch zu Ansteckungen bei anderen Menschen führen. Ungeimpfte, insbesondere kleine Kinder unter fünf Jahren, können dann schwer erkranken und Lähmungen entwickeln.

Gesundheitsbeauftrage warnt vor Tausenden Poliofällen

Auch der Fall in den USA geht offenbar auf diese Art der Ansteckung zurück. Das erklärte das Gesundheitsamt des Bundesstaats New York. Allerdings würden in den USA seit dem Jahr 2020 keine Schluckimpfungen mehr verabreicht. Aus diesem Grund müsse das Virus aus dem Ausland importiert worden sein, erklärte die Behörde. Laut BBC gebe es einen genetischen Zusammenhang mit den Erregern im Abwasser von London sowie auch Jerusalem.

Poliovirus
ArtEnterovirus C
KurzbezeichnungPV, EV-C

Die Gesundheitsbeauftragte von Rockland County, Patricia Schnabel Ruppert, warnte im Interview mit BBC davor, dass es derzeit Hunderte oder sogar Tausende von nicht diagnostizierten Poliofällen geben könnte. Die meisten Fälle seien asymptomatisch oder nur leicht symptomatisch und würden deshalb oft übersehen.

„Dies ist ein sehr ernstes Problem für unsere globale Welt – es geht nicht nur um New York. Wir alle müssen sicherstellen, dass die gesamte Bevölkerung ordnungsgemäß geimpft ist“, sagte die Expertin. (tk/AFP)

Auch interessant

Kommentare