Hilfe beim Ausstieg

Polizei geht auf kriminelle Rocker zu

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Foto: LKA-Leiter Bernd Finger bietet Rockern an, jederzeit aus der Szene aussteigen zu können.

Berlin - „Steigen Sie aus, wir helfen Ihnen dabei“ – so deutlich war in Deutschland bislang noch kein Angebot an straffällige Rocker. Mit der Ansage geht die Berliner Polizei nun offensiv in die Szene.

Die Berliner Polizei will kriminellen Rockern offensiver als bisher beim Ausstieg aus der Szene helfen. „Seit der jüngsten Zuspitzung der Gewalt und dem starken polizeilichen Druck erklären uns zunehmend Rocker: Ich will raus, ich habe Angst“, sagte der Chef für Organisierte und Bandenkriminalität am Landeskriminalamt, Bernd Finger, der Nachrichtenagentur dpa. „Dabei wollen wir jeden straffällig gewordenen Rocker gerne unterstützen.“ Die Rocker würden in Berlin so intensiv wie noch nie in Deutschland angesprochen, so Finger.

Erst zu Wochenbeginn hatte der 62-Jährige dafür in Berlin auf einer öffentlichen Podiumsdiskussion zum Thema Rockerkriminalität geworben. Im Publikum saßen auch etliche einschlägig bekannte Mitglieder verschiedener Clubs. Mit der Ansage hatten sie wohl nicht gerechnet. „Diese Form der öffentlichen Ansprache in die betroffenen Kreise haben wir in Berlin bundesweit zum ersten Mal praktiziert.“

Zuletzt waren im Konflikt zwischen den beiden größten Clubs in der Hauptstadt - Hells Angels und Bandidos - mehrere Rocker schwer verletzt worden. Auch völlig Unbeteiligte wurden verletzt und gefährdet. Wegen befürchteter Racheakte sorgten sich viele Rocker um ihre Familie und die eigene Gesundheit, sagte der Leitende Kriminaldirektor. Das direkte Ausstiegsangebot werde derzeit rege in der Szene diskutiert.

„Ich betone, dass wir keinen Austritt aus der Biker-Szene an sich fordern. Die ist auch nicht im Fokus der Polizei“, so Finger. „Es geht darum, sich aus der Straftatverstrickung zu lösen.“ Seit 2009 existiere die Kronzeugenregelung, für die ausstiegswillige Kriminelle mit ihrer Aussage zur Aufklärung und Verhinderung von schweren Straftaten beigetragen müssten. Diese Möglichkeit böten die Ermittler derzeit verstärkt bei Vernehmungen und Polizeieinsätzen an.

„Es geht nicht um Verrat, sondern darum, seine eigenen Ängste und Verstrickungen über die eigene Beteiligung hinaus zu offenbaren.“ Jeder, der diesen Schritt wage, könne ein Entgegenkommen der Justiz erwarten - etwa durch die Milderung des eigenen Strafmaßes. „Auch werden wir für die nötige Sicherheit derjenigen sorgen und die Rückkehr ins straffreie Leben begleiten.“

Erst kürzlich hatte laut Staatsanwaltschaft erstmals ein Rocker ausgepackt und so Anklagen gegen mindestens neun Bandidos ermöglicht. In der Szene gilt eigentlich ein striktes Schweigegebot gegenüber Polizei und Justiz. Konflikte werden untereinander ausgetragen.

Vom 11. September an stehen die Männer nun in zwei Prozessen wegen Brandstiftung, schweren Raubs und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Der Aussteiger sitzt mit auf der Anklagebank - kann wohl aber auf ein milderes Strafmaß hoffen.

dpa

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