Mehr als 300 Verletzte

Polizei geht mit Wasserwerfern gegen „Stuttgart 21“-Gegner vor

- Bei den Protesten gegen das umstrittene Bahnprojekt „Stuttgart 21“ ist die Polizei am Donnerstag mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen Demonstranten vorgegangen. Die Polizei wollte damit Wege im Stuttgarter Schlossgarten räumen, den eine Gruppe von Demonstranten blockierte. Es gab viele Verletzte.

Bei der Absperrung von Teilen des Stuttgarter Schlossgartens für Bauarbeiten zum umstrittenen Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ ist es zu massiven Protesten gekommen. Die Polizei setzte am Donnerstag nach Angaben eines Sprechers auch Wasserwerfer, Tränengas und Pfefferspray an, um Blockaden von Demonstranten aufzulösen. Mehr als tausend Menschen protestierten demnach im Schlossgarten. Es waren rund tausend Polizeibeamte aus Baden-Württemberg und anderen Bundesländern im Einsatz.

Fritz Mielert, ein Sprecher der „Parkschützer“, sprach von 300 bis 400 Menschen, die bis zum Nachmittag leichte Augenverletzungen erlitten. Darunter seien auch Schüler, die am Vormittag an dem Protest teilgenommen hatten. Ein Mädchen habe eine Gehirnerschütterung erlitten, sagte Matthias von Herrmann, ein anderer Sprecher der Demonstranten: „Es wurde kein Unterschied zwischen Jugendlichen und Erwachsenen gemacht.“ Mehrere Hundert Demonstranten seien wegen Augenverletzungen behandelt worden, teilten die Projektgegner mit. Die Krankenhäuser in Stuttgart seien überlastet.

Die Polizei konnte noch keine Verletztenzahl nennen. Es gebe aber auch Gewalt gegen Beamte, sagte eine Sprecherin: „Es sind Steine geflogen.“ Ob dabei Polizisten verletzt wurden, konnte sie nicht sagen.

Die frühere Verdi-Landesvorsitzende Sybille Stamm berichtete von massiven Gewalteinsatz bei der Auflösung von Blockaden. Sie habe neben Demonstranten gestanden, die sich an einen Zaun gekettet hatten, und sei ohne Vorankündigung von Polizisten zu Boden geworfen, getreten und mit Tränengas besprüht worden. „Das habe ich seit ’68 nicht erlebt“, sagte Stamm der Nachrichtenagentur

Die Polizei hatte am Donnerstagmorgen begonnen, ein für die Grundwasseraufbereitungsanlage im Rahmen der Bauarbeiten vorgesehenes Gelände freizuräumen und abzusperren. In dem Gebiet müssen 25 Bäume gefällt werden. Die Polizei stellt sich nach eigenen Angaben auf einen länger andauernden Schutz des Schlossgarten-Bereiches ein.

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte angesichts des Großeinsatzes der Polizei die baden-württembergische Landesregierung und die Bahn auf, „den Konflikt um ’Stuttgart 21’ nicht weiter zu eskalieren.“ Mit einer „brutalen Bulldozer-Politik“ werde die Auseinandersetzung nur schärfer und noch schwieriger werden. Die Strategie von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU), „mit gezielten Provokationen die Stuttgart-21-Gegner zu emotionalisieren, um sie anschließend möglichst kriminalisieren zu können, ist offenkundig und zynisch.“ Nötiger denn je sei jetzt ein sofortiger Baustopp.

Gegen „Stuttgart 21“ gibt es seit Wochen heftigen Widerstand aus der Bevölkerung. Der bisherige Stuttgarter Kopfbahnhof soll während der insgesamt zehnjährigen Bauzeit durch eine Verlegung in den Untergrund zu einer Durchgangsstation gemacht werden, außerdem soll in Richtung Ulm eine Schnellbahnverbindung entstehen. Die Gegner warnen vor hohen Kosten, ökologischen Folgen und angeblichen Sicherheitsgefahren durch das Bauprojekt.

dpa/dapd

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