Terrorgefahr in Bremen

Polizei prüft beschlagnahmtes Material

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Foto: Die Polizei zeigt an einigen Stellen weiter erhöhte Präsenz, etwa vor der Jüdischen Gemeinde.

Bremen - Nach dem Terror-Alarm in Bremen gibt es Kritik am Vorgehen der Polizei bei der Durchsuchung eines islamischen Kulturzentrums. Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wies Vorwürfe des Verbandes Schura zurück, bei der Durchsuchung sei unangemessen und respektlos vorgegangen worden. Die Polizei prüft nun das beschlagnahmte Material.

Nach den Hinweisen auf eine Terroranschlags-Gefahr in Bremen ist die Lage in der Hansestadt am Montag ruhig geblieben. Am Wochenende hatte es Warnungen vor einem möglichen Handel mit Maschinenpistolen in der islamistischen Szene gegeben. Es folgten Razzien, unter anderem in einem islamischen Kulturzentrum, und zwei vorübergehende Festnahmen.

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wies am Montag Vorwürfe des muslimischen Verbandes Schura zurück, bei der Durchsuchung des Kulturzentrums sei unangemessen und respektlos vorgegangen worden.

Ermittler trugen Überschuhe

Die Polizei habe für den Zugriff bewusst ein Zeitfenster während einer Gebetspause gewählt. Bei der Durchsuchung hätten die Einsatzkräfte außerdem extra Überschuhe angezogen, um nicht unnötig religiöse Gefühle zu verletzen. Die Einsatzkräfte seien im Gebäude auf insgesamt 28 Männer und 5 Kinder und Jugendliche gestoßen.Es seien keine Kinder gefesselt worden, betonte die Sprecherin des Senators. „Aus Eigensicherungsgründen wurden allein stehenden Männern Handfesseln angelegt, dies galt nicht für die Kinder sowie die Väter in Begleitung ihrer Kinder“, hieß es.

„Es bestand der Verdacht, dass sich automatische Waffen in dem betreffenden Verein befanden - aus diesem Grund drangen Spezialeinsatzkräfte schlagartig in das Kulturzentrum ein.“ Die polizeilichen Maßnahmen seien gewaltfrei erfolgt. Anders als vorgeworfen, habe sich die Polizei am Wochenende trotz der befürchteten, konkreten Gefahrenlage so rücksichtsvoll wie möglich gegenüber religiösen Ritualen und Gefühlen in einer Moschee benommen, betonte Innensenator Mäurer.

Die Sprecherin der Innenbehörde erklärte, die Polizei zeige an einigen Stellen weiter erhöhte Präsenz, etwa vor der Jüdischen Gemeinde. Die Sicherheitsmaßnahmen würden generell aber weiter heruntergefahren.

Die Staatsanwaltschaft wertet nun das Material aus, das bei den Razzien beschlagnahmt wurde. Ein 39-jähriger Libanese und ein weiterer Mann waren vorübergehend festgenommen worden. „Für einen Haftbefehl gibt es derzeit keinen Ansatz“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Bremen, Silke Noltensmeier.

Bei Razzien waren in der Wohnung des Libanesen, an seinem Arbeitsplatz und in dem islamischen Kulturzentrum schriftliche Unterlagen beschlagnahmt worden. Außerdem sollen Laptops ausgewertet werden, sagte die Staatsanwältin. Der Großeinsatz zog sich bis Sonntag hin. Ermittelt wird wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz.

dpa

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