Blutbad in Charleston

Polizei veröffentlicht Bild des Verdächtigen

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Foto: Die Polizei hat die traditionsreiche Emanuel African Methodist Episcopal Church weiträumig abgesperrt.

- Ein weißer Mann eröffnet in einer hauptsächlich von Schwarzen besuchten Kirche das Feuer. Neun Menschen sterben. Nun hat die Polizei erste Bilder des mutmaßlichen Schützen veröffentlicht: Sie zeigen einen jungen Mann mit grauem Pullover.

  1. Die Polizei veröffentlicht Fahnungsbilder des Weißen, der neun Menschen in Charleston erschossen hat. Er ist weiterhin auf der Flucht.
  2. Die örtlichen Behörden vermuten eine "Hasstat".
  3. Jeb Bush sagt Wahlkampfevent in Charleston ab.

Eine Überwachungskamera hat ihn aufgezeichnet, den mutmaßlichen Attentäter, der am Mittochabend neun Menschen in Charleston getötet hat. Die Bilder, die nun von der Polizei veröffentlicht wurden, zeigen einen schlanken Mann mit braunen Haaren und grauem Pullover.

Der Täter soll ein etwa 20 Jahre alter weißer Mann sein. Er ist noch auf der Flucht. Polizeichef Gregory Mullen spricht auf einer nächtlichen Pressekonferenz von einer rassistisch motivierten Tat. Der Täter soll während einer Bibelstunde das Feuer eröffnet haben. "Es sieht sehr schlimm aus", sagt Thomas Dixon, ein Pastor. "Anscheinend hat der Täter einfach die Kirche betreten und losgeschossen."

Acht Menschen seien am Tatort gestorben, ein weiterer Mensch sei im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Ein Mensch liege schwer verletzt im Krankenhaus. Laut unbestätigten Medienberichten soll Clementa Pinckney, demokratischer Senator im Landesparlament, unter den Opfern sein.

Der 41-Jährige ist Pfarrer an der methodistischen Emanuel-Kirche, die zu den ältesten Kirchen im Süden der USA gehört. Es handele sich vermutlich um eine rassistisch motivierte Tat, sagte der örtliche Polizeichef Gregory Mullen. Ähnlich äußerte sich Charlestons Bürgermeister Joseph P. Riley: "Der einzige Grund dafür, dass jemand in eine Kirche geht und Leute erschießt, ist Hass."

Der Tatort ist abgesperrt, wie Fotos und Fernsehbilder zeigen. In den Straßen in der Umgebung stehen Polizeiautos und Rettungswagen kreuz und quer, überall Blaulicht. Im Hintergrund ist Sirenengeheul zu hören. Im Nachthimmel über der weiß gestrichenen Kirche aus Backstein kreisen Polizeihubschrauber auf der Suche nach dem mutmaßlichen Täter, wie der Sender CNNberichtet.

Unweit der Kirche halten sich Menschen an den Händen und beten. Eine Gruppe von Geistlichen ist aufgeregt. Die Männer haben auch Angst, dass die Lage eskalieren könnte. In den vergangenen Monaten waren an mehreren Orten in den USA Afroamerikaner von weißen Polizisten erschossen worden, es kam danach vielfach zu Straßenprotesten.

Auch im benachbarten North Charleston - rund 15 Minuten mit dem Auto entfernt - war es im April zu einem solchen Zwischenfall gekommen. Ein Polizist schoss von hinten achtmal auf einen flüchtenden Afroamerikaner. Der auf einem Video festgehaltene Fall löste Empörung aus.

Diverse Medien senden derzeit Bilder aus Charleston und von der Jagd auf den Täter. Nutzer posten auf Twitter Eindrücke aus Charleston.

"Dies ist eine unsägliche und herzzerreißende Tragödie. Eine böse und hasserfüllte Person hat Menschen das Leben geraubt, die zusammenkamen, um gemeinsam zu beten", sagte Bürgermeister Riley. Auch South Carolinas Gouverneurin Nikki Halley sprach den Angehörigen der Opfer auf Twitter ihr Beileid aus.

Laut der britischen BBC sagte der republikanische Kandidat für die US-Präsidentenwahl, Jeb Bush, unterdessen ein für heute geplantes Wahlkampfevent in Charleston ab. "Die Gedanken und Gebete von Gouverneur Bush sind mit den Menschen und ihren Familien, die von der Tragödie betroffen sind", zitiert die BBC aus einem Statement des Wahlkampfteams. Bushs demokratische Konkurrentin, Hillary Clinton hatte Stunden zuvor vor Unterstützern in North Charleston gesprochen.

Die methoditische Kirche in Charleston - Eckstein der afroamerikanischen Geschichte

Rassismus gehört zu der dunklen Geschichte der Mother Emanuel African Methodist Episcopal Church, genannt Mutter Emanuel, einer der ältesten schwarzen Kirchen in den amerikanischen Südstaaten. Sie war 1812 gegründet worden, als erste unbhängige schwarze Kirchengemeinde. Einer der Gründungsmitglieder war Denmark Vesey, ein ehemaliger Sklave, der sich 1799 im Alter von 32 nach einem Lottogewinn selbst freigekauft hatte.

Veseyarbeitete danach als Zimmermann, konnte aber nie genug Geld zusammen sparen, um seine Frau und Kinder ebenfalls aus der Sklaverei freizukaufen. Die von ihm mitbegründete Kirche wurde von weißen Geistlichen unterstützt. 1818 stieg die Zahl der schwarzen Gemeindemitglieder auf 1848 an. Die Behörden schlossen die Kirche in den nächsten vier Jahren zweimal, wegen angeblichen Verstößen gegen das Versammlungsgesetz.

Vesey und ein Gruppe von Kirchenmitglieder schmiedeten 1822 einen Plan, die Sklavenbesitzer in Charleston zu töten, die Sklaven zu befreien und nach Haiti zu fliehen. Dieser sickerte durch und Vesey wurde mit fünf anderen Verschwörern festgenommen.

In einem geheimen Gerichtsverfahren wurden die Männer zum Tode verurteilt und gehängt. DieMutter Emanuel wurde aus Rache von der weißen Bevölkerung niedergebrannt. Die Gemeindemitglieder trafen sich zu Predigten bis zum Ende des Bürgerkriegs danach an geheimen Orten. 1865 wurde die Kirche neu aufgebaut. In den 1960er Jahren wurde Mutter Emanuel zu einem Zentrum der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

dpa/aks/Sindermann

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