Schäden nach Übung

Polizisten demolieren Wasserwerfer mit Eiern

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400 PS, 10 000 Liter Wassertank: Der Wasserwerfer „Wawe 10“ im Testeinsatz.

Hannover - Der neue Polizei-Wasserwerfer soll Furcht einflößen – doch das 33 Tonnen schwere Gerät ist offenbar nicht so robust, wie es aussieht. Jetzt haben ihn Polizisten mit Eiern und PET-Flaschen beschädigt.

Es ist ein martialisch wirkender Apparat: 400 PS, gepanzerte Karosse und Platz für 10 000 Liter Wasser im Tank. Der neu entwickelte Wasserwerfer „Wawe 10“ ist eine fahrende Festung und soll in Deutschland das alte Modell „Wawe 9“ ablösen. Doch das 33 Tonnen schwere Gerät ist offenbar nicht so robust, wie es aussieht. Um den neuen Wasserwerfer unter Einsatzbedingungen auszuprobieren, warfen die Polizisten der Thüringer Landespolizei „neben Eiern auch mit Tennisbällen und halb gefüllten PET-Flaschen (0,5 Liter)“ auf das Gefährt - und zerstörten damit die Panzerverglasung an mehreren Stellen.

Es sei zu drei faustgroßen Schäden an der Polycarbonat-Panzerverglasung des Einsatzfahrzeuges gekommen, erklärte die Landespolizeidirektion Thüringen gegenüber dem MDR. Ein Polizeisprecher betonte, seine Kollegen hätten keine Steine geworfen - obwohl der Wasserwerfer auch das im Ernstfall aushalten sollte. Der „Wawe 10“ wird wegen seiner Fähigkeit, neben einem harten Wasserstrahl auch eher sanft Wasser auf Demonstranten regnen lassen zu können, intern „der weiche Riese“ genannt - nun hat der Name noch eine zweite Bedeutung bekommen.

Nach Angaben des Thüringer Innenministeriums ist ein solcher Schaden bundesweit noch nicht vorgekommen. Die Schadensmeldung sei bereits an das Bundesinnenministerium geschickt worden, das den Wasserwerfer für die Länder beschafft hat. Berlin habe den österreichischen Hersteller des Fahrzeugs um eine Stellungnahme gebeten. Der Bund hat bei dem Produzenten, 78 Wasserwerfer der Prototypen für die deutsche Polizei zum Stückpreis von 900 000 Euro geordert.

Das neuartige Gerät ist in vielen Ländern im Einsatz - auch in Niedersachsen. Zwar sei es auch in Hannover schon zu Reklamationen gekommen - etwa, weil eine Tür kaputt war. Das sei allerdings bei einem neu entwickelten Prototypen nicht ungewöhnlich - und „im Rahmen der Gewährleistung von dem österreichischen Hersteller behoben worden“, sagt der Sprecher der Zentralen Polizeidirektion Niedersachsen, Karsten Wolff. Auch die sogenannten realitätsnahen Übungen, bei denen Beamte in die Rolle von gewaltbereiten Demonstranten schlüpfen und den Wasserwerfer mit Eiern bewerfen, hat die niedersächsische Polizei bereits absolviert. „Das hat der Wasserwerfer aber alles gut überstanden“, sagt Wolff. Auch im Ernstfall seien bisher keine Schäden am Panzerglas aufgetreten.

Das bisher letzte Mal im echten Einsatz war der „Wawe 10“ bei den Auseinandersetzungen rund um das Bundesligaspiel von Hannover 96 gegen Eintracht Braunschweig vor wenigen Wochen - und das offenbar zur Zufriedenheit der Beamten. „Er hat seinen Dienst getan und ist voll funktionstüchtig“, erklärt Wolff.

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