Ärztemangel

Prämienprogramm lockt neue Ärzte nach Wolfsburg

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Wolfsburg - Wolfsburg hat mit einem Prämienprogramm für neue Hausärzte offenbar Erfolg und viele neue Ärzte angelockt. „Durch die finanzielle Förderung und die persönliche Unterstützung bei der Niederlassung hat der Standort Wolfsburg deutlich an Attraktivität gewonnen“, sagte ein Stadtsprecher. Wolfsburg ist eine der wenigen großen Städte im Land mit zu wenig Hausärzten.

Anfang des Jahres wurde die Prämie von 20.000 auf bis zu 50.000 Euro aufgestockt. Das Geld bekommen Ärzte, die sich neu in Wolfsburg niederlassen. Seit 2013 haben das Angebot laut „Wolfsburger Nachrichten“ 16 Ärzte in Anspruch genommen. Die Stadt will mit dem Programm einem Ärztemangel in der Stadt begegnen.

Hausärzte sind in Niedersachsen ungleich verteilt. Nach Festlegung des Landesausschusses der Ärzte und Krankenkassen betreut ein Hausarzt im Idealfall 1671 Patienten, die Zahl ist je nach Region unterschiedlich. Viele ländliche Gegenden haben mit einem niedrigeren Versorgungsgrad zu kämpfen. „Alles unter 90 Prozent, also mehr als 1857 Patienten pro Hausarzt, ist schon eine Problemregion aus unserer Sicht“, sagt Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Es sei zu befürchten, dass sich die Situation verschlechtere, ein Großteil der Hausärzte scheide in den kommenden zehn Jahren aus. Noch gebe es laut Haffke in Niedersachsen keine Region, die mit einem Versorgungsgrad von unter 75 Prozent unterversorgt ist.

Zu den Schlusslichtern gehören die Regionen Harburg-Nord (80,5 Prozent), Braunschweig Umland (82,9) und Leer-Süd (84,1 Prozent). „Es ist grundsätzlich ein Problem der ländlichen Regionen“, sagt Haffke. Insgesamt fehlten in Niedersachsen 311 Hausärzte, um in jedem Planungsbereich einen Versorgungsgrad von 100 Prozent zu erreichen.

Junge Ärzte fürchten auf dem Land eine höhere Arbeitsbelastung, wie Detlef Haffke von der KVN sagt. Sie glaubten, 24 Stunden parat stehen zu müssen. „Weil sie dort isoliert tätig sind.“ Sie machten sich auch Gedanken, wo die nächste Schule oder der nächste Kindergarten ist oder wo der Partner arbeiten kann. Zudem herrsche bei jungen Ärzten die Meinung, dass sie auf dem Land weniger verdienen, auch weil es weniger Privatpatienten gibt. Dabei sei das Einkommen auf dem Land laut Haffke durchaus auskömmlich.

Einige Kommunen werben nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes direkt an Unis. Es gibt auch spezielle Stipendien für Medizinstudenten, die sich für eine bestimmt Zeit nach dem Studium verpflichten, in eine Hausarztpraxis zu gehen. 26 Kommunen aus den drei Landkreisen Diepholz, Nienburg und Verden gehen mit der Initiative „Ärztlich willkommen“ diesen Weg.

Von Valentin Frimmer

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