Paschedag-Untersuchungsausschuss

„Es prallten zwei Welten aufeinander“

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Seine Sonderwünsche beschäftigen den Untersuchungsausschuss: der ehemalige AgrarStaatssekretär Udo Paschedag.

Hannover - Udo Paschedag, der umstrittene Agrar-Staatssekretär, ist schon seit gut zwei Monaten nicht mehr im Landesdienst. Doch der Jurist mit dem Grünen-Parteibuch hat im Agrarministerium einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie Ministerialdirigent Dietrich Meyer-Ravenstein, Leiter der Verwaltungsabteilung, jetzt als Zeuge im Untersuchungsausschuss berichtete.

Im Ministerium, einem Haus aus dem fünfziger Jahren, herrscht nach Ansicht von Meyer-Ravenstein „Teamgeist“. Alle arbeiten gut zusammen, selbst im Sommer, wenn es in dem Altbau zuweilen sehr heiß werden kann. Als Paschedag aus Düsseldorf kam, hätte er „am liebsten den ganzen Kasten abreißen und einen Neubau errichten“ lassen, erinnert sich der Abteilungsleiter. Auf jeden Fall wollte der neue Staatssekretär eine Klimaanlage haben - was Meyer-Ravenstein nicht unangemessen fand, denn „bei uns wird ständig irgendein Büro renoviert“. Angebracht für einen leitenden Beamten sei dies gewesen, wenn auch nicht für alle anderen Mitarbeiter, die an manchen Tagen auch unter der Hitze leiden. Das Büro des Staatssekretärs habe auch repräsentativ aussehen sollen und musste daher neu gestrichen werden: „Die Bürger sollen doch nicht die Ränder von den Bildern des Vorgängers sehen und denken: Wir sind auf dem Abstieg.“

Paschedag bekam ein saniertes Büro und eine Klimaanlage - und er wollte noch mehr, nämlich eine persönliche Referentin. Meyer-Ravenstein versuchte es ihm auszureden, erfolglos. Paschedag sagte zu ihm: „Ich stelle die Leute ein, und Sie sorgen dafür, dass wir mit unserem Personaletat auskommen!“ Der Abteilungsleiter stoppte daraufhin alle geplanten Beförderungen, um bloß nicht das Budget zu überreizen.

Paschedag bestand auf einem Seminar mit den Führungskräften, und zwar einschließlich der Referatsleiter. Das erschien Meyer-Ravenstein zu groß und zu üppig, aber als guter Beamter setzte er die Weisung um. Auch als Paschedag einen Dienstwagen haben wollte, der laut Kraftfahrzeugrichtlinie des Landes für ihn zu groß war, folgte das Ministerium: „Der Staatssekretär weiß, was er tut“, sagt Meyer-Ravenstein. Schließlich habe ihn der für die Dienstwagen zuständige Kollege zuvor „mehrfach“ auf die Unvereinbarkeit mit der Richtlinie hingewiesen. Meyer-Ravenstein, ein Urgestein, fühlte sich in der Anfangszeit von Rot-Grün „wie in zwei Welten“: auf der einen Seite die neue Führung um Minister Meyer und Paschedag, auf der anderen die Fachreferate des Hauses. „Wir haben einfach so weiter gearbeitet, als hätte es gar keinen Regierungswechsel gegeben“, sagt er. Dass er die kuriosen Sonderwünsche des neuen Staatssekretärs mal seinem Minister Christian Meyer vorgetragen hätte, kam für Meyer-Ravenstein nie in Betracht. „Ich bin wohl der letzte im Haus, der den Dienstweg einhält und auch Wert darauf legt“, betont er. Ohne den Staatssekretär zum Minister gehen - das verbiete sich für ihn. Kabinettsentscheidungen in Frage zu stellen, ebenso.

Aber Meyer-Ravenstein zweifelt mittlerweile an den Abläufen: Viele E-Mails werden inzwischen im Agrarressort hin- und hergeschickt, sie erreichen Referenten, Referats- und Abteilungsleiter gleichzeitig, nicht mehr - wie früher - nacheinander aufsteigend. Das Ministerium, wie es der Abteilungsleiter noch kennt, hat sich eben verändert.

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