Langer Winter

Primeln blühen für die Mülltonne

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Wohin mit den Primeln? Gärtnerin Kathrin Klimach in Hannover hat davon zurzeit im Gewächshaus reichlich im Angebot. dpa (2)

Hannover - Die anhaltende Frostperiode macht Bauern und Gärtnern zu schaffen. „Die Landwirte nehmen den langen Winter relativ gelassen“, heißt es zwar beim Landvolk in Hannover. Wenn sich die Kälte nun aber bis in den April hinein zieht, wird die Zeit langsam knapp. Unterdessen haben Gartenbauer schon jetzt Einbußen: In Treibhäusern gezogene Frühblüher landen auf dem Müll, weil sie keine Abnehmer finden.

„Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt...“ - daraus wird in diesem Jahr nichts. Sorgen bereitet den Landwirten nach Angaben des Landvolkverbandes die Aussicht, dass sich die Frühjahrsbestellung auf einen sehr kurzen Zeitraum konzentrieren wird. Zwar könnten die Böden nach Ende der Frostperiode schnell abtrocknen, da die vergangenen Wochen nicht zu viel Niederschlag gebracht haben. Dann allerdings müssten die Bauern auch abends und am Wochenende mit Sämaschine und Düngerstreuer aktiv werden, sagt Ackerbauer Ulrich Löhr in Braunschweig. Die im Herbst bestellten Felder hätten den Winter recht gut überstanden. „Winterweizen und Winterraps wurden zur rechten Zeit immer von einer Schneedecke vor dem Frost geschützt.“ Die wenigen Frühlingstage Anfang März haben viele Landwirte schon für die erste Düngung genutzt.

Die Anbauer von Frühkartoffeln warten darauf, ihre Knollen endlich unter die Erde zu bekommen. Einzelne hätten bereits Anfang März zu pflanzen begonnen, berichtet Martin Lehmann von der Versuchsstation der Landwirtschaftskammer in Dethlingen (Heidekreis). „Die haben aber sofort wieder aufgehört, als klar wurde, dass strenger Frost kommt.“ Das Auspflanzen der Frühkartoffeln werde sich ansonsten voraussichtlich um rund zwei Wochen auf Mitte April verschieben. „Das ist noch kein Beinbruch“, sagt Lehmann. Allerdings: Um schon im Juni ernten zu können, haben Anbauer ihre Kartoffeln vorkeimen lassen. Eine zu lange Keimzeit könne jedoch Keimbruch zur Folge haben. „Das kann die Pflanzen schwächen und zu Ertragsverlust führen“, erläutert der Kartoffelexperte.

„Für Freilandgemüse ist es sowieso noch zu früh“, sagt Axel Böse, Geschäftsführer beim Wirtschaftsverband Gartenbau. Was draußen unter Vlies wachse, wie Spargel, sei in der Regel ausreichend geschützt. Der starke Wind habe das Abdecken allerdings erschwert: „Ich habe Spargelanbauer beobachtet, die mit der Folie richtig kämpfen mussten.“ Da der Frost das Wachstum bremst, wird sich die Spargelernte nach Angaben der Landwirtschaftskammer wohl um etwa zehn Tage verzögern und sei bis Ostern nicht zu erwarten: „Gourmets müssen sich noch in Geduld üben.“ Die Aussaat der Zuckerrüben verzögert sich ebenfalls. „Aber da ist noch nichts verloren“, sagt Pflanzenbauberater Ulrich Lehrke von der Landwirtschaftskammer in Hannover. Im vergangenen Jahr sei zwar schon ab dem 21.März gesät worden. „Es kann aber auch mal Mitte April sein.“

In den Baumschulen macht der kalte, trockene Wind den draußen stehenden Pflanzen zu schaffen. Beispielsweise Rhododendren, Kirschlorbeer und Lebensbäume leiden unter der Witterung, wie Axel Boese vom Wirtschaftsverband Gartenbau erläutert: „Sie erfrieren nicht, sie bekommen Trockenschäden.“ Zum einen könnten die Pflanzen nicht ausreichend Wasser aus dem Boden aufnehmen, zum anderen entziehe der Wind ihnen Feuchtigkeit. Die Verdunstung durch die Sonne tue ein Übriges. Währenddessen stauten sich in den Treibhäusern blühende Primeln, Stiefmütterchen und Gänseblümchen. Da derzeit weder in Gärten noch auf Friedhöfen gepflanzt werden kann, fehlen die Kunden. „Die für den frühen Verkauf gedachte Ware verblüht schon im Treihaus und landet im Müll“, sagt Boese. „Darüber klagen zurzeit viele Gärtner.“ Doch der Gartenbauer macht dennoch Hoffnung: Nach wenigen warmen Tagen werde es draußen überall blühen. „Die Natur ist gespannt wie ein Flitzebogen.“

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