Diakonie Himmelsthür

Prostitutionsvorwürfe: „Bisher sind alles nur Gerüchte“

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Behinderte sollen sich in Himmelthür aus Geldnot prostituiert haben. Bis jetzt gibt es laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise darauf, dass die Gerüchte stimmen.

Hildesheim - Die Vorwürfe sind ungeheuerlich, aber noch fehlen die Beweise. Behinderte der Diakonie Himmelsthür in Hildesheim sollen sich prostitutiert haben, um ihr karges Taschengeld aufzubessern. Die Staatsanwaltschaft hat noch keine Erkenntnisse, ob daran wirklich etwas dran ist.

Die Staatsanwaltschaft Hildesheim sieht nach den Prostitutions-vorwürfen derzeit noch keinerlei Hinweise auf strafrechtliche Handlungen rund um die Diakonie Himmelsthür. „Bisher sind es alles nur Gerüchte“, sagt Christina Pannek, Sprecherin der Behörde. Es fehlten noch handfeste Fakten. Schilderungen von schwarzen Limousinen auf dem Gelände oder einem rund 40 Jahre alten Bewohner, der regelmäßig nach Köln fahre, um dort seien Körper zu verkaufen, allein seien strafrechtlich nicht in Verbindung zu Prostitution oder Zuhälterei zu bringen.

„Prostitution wäre ja auch noch nicht strafbar“, erklärt Pannek. Behinderte Menschen dürften dieser Tätigkeit - zumindest rechtlich gesehen - jederzeit nachgehen. Erst wenn nachgewiesen werden könne, dass jemand Zwang ausgeübt oder die Frauen und Männer anderweitig gedrängt habe, könne sexueller Missbrauch widerstandsunfähiger Personen in Betracht gezogen werden. „Aber Erkenntnisse darauf liegen uns eben bisher noch nicht vor.“

Der heute 21-Jährige, der bisher die detailliertesten Angaben gemacht hat, konkretisierte jetzt gegenüber der Polizei seine Beobachtungen von den schwarzen Limousinen. So habe er zweimal jeweils drei der schwarzen Fahrzeuge - BMW und Mercedes - auf dem Parkplatz am Ende des Stadtwegs in Hildesheim-Sorsum beobachtet. Er habe der Polizei auch Namen von Betreuern genannt, die von den Vorgängen bei der Diakonie Himmelsthür gewusst haben müssten, sagte er gestern gegenüber der HAZ.

Laut Pannek seien alle vernommenen Betreuer langjährige Mitarbeiter gewesen - bei den Vernehmungen hätten sie unisono angegeben, bei der Einrichtung in Sorsum hätte es Prostitution nie gegeben.

Derweil meldeten sich bei der HAZ immer mehr Menschen, die dies aber behaupten - allerdings keine bestimmten Beispiele nennen können. Teilweise berichten sie auch von Jahrzehnte zurückliegenden Fällen. Eine Frau aus Sorsum behauptet, dass jeder im Stadtteil davon wisse. Auch Sorsumer hätten schon auf die „Liebesdienste“ der Bewohner zurückgegriffen.

Der Landesbehindertenbeauftragte Karl Finke fordert eine lückenlose Aufklärung - auch innerhalb der Hildesheimer Einrichtung, die die größte ihrer Art in Niedersachsen ist. „Dort dürfen die Mitarbeiter jetzt nicht die Reihen schließen, nach dem Motto: Hier war nichts“, sagt er. Ob es Prostitution bei der Diakonie Himmelsthür gebe, sei ihm nicht bekannt. „Aber so etwas ist durchaus möglich“, glaubt er. Er habe in einem anderen Fall schon einmal mit Lernbehinderten zu tun gehabt, bei denen es Ähnliche Vorwürfe gegeben habe. „So etwas ist mir deshalb nicht fremd.“

Die Behinderteneinrichtung muss derzeit Anfragen aus ganz Deutschland beantworten. „Wir haben ein Interesse daran, das aufzuklären“, versichert Sprecherin Ute Quednow. Allerdings habe man keine konkrete Hinweise auf Verfehlungen.

Christian Harborth

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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