Hildesheimer Behindertenheim

Prostitutionsvorwürfe: Diakonie-Chef erstattet Strafanzeige

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Gebäude der Diakonie in Himmelsthür: Die Rede ist von „schwarzen Zuhälter-Limousinen“, die vor den Wohnanlagen vorfahren.

Hildesheim - In Niedersachsens größerter Behinderteneinrichtung, der Diakonie Himmelsthür bei Hildesheim, sollen sich Behinderte prostitutiert haben, um ihr karges Taschengeld aufzubessern. Um rasch Licht in die Affäre zu bringen, hat jetzt der Chef der Diakonie Strafanzeige erstattet.

Die Diakonie Himmelsthür will den Vorwurf, behinderte Frauen und Männer aus ihrer Einrichtung prostituierten sich zur Aufbesserung ihres Taschengelds, schnell aufklären. Die evangelische Sozialeinrichtung in Hildesheim reagiert damit auf einen HAZ-Bericht. Diakonie-Chef Ulrich Stoebe zeigte sich erschüttert. Am Sonnabendvormittag erstattete er Anzeige. Es geht um den Verdacht des sexuellen Missbrauchs Widerstandsunfähiger. Polizei und Staatsanwaltschaft ermittelten bereits am Wochenende. „Wir prüfen, ob der Vorwurf zu Recht besteht“, sagte Hildesheims Kripo-Chef Gerd Schomburg am Sonntag.

Mit einem Aufruf hat sich die Diakonie Himmelsthür am Wochenende auch direkt an die Öffentlichkeit gewandt. „Wir bitten jeden und jede, der oder die Angaben darüber machen kann, ob und gegebenenfalls unter welchen Umständen es zu solchen Straftaten gekommen sein könnte, sich mit den Ermittlungsbehörden oder der Diakonie Himmelsthür in Verbindung zu setzen“, heißt es in einem Text, den die Einrichtung auf ihrer Homepage veröffentlichte. Ab heute will sie mit speziellen Informationsblättern in leichter Sprache auch die Behinderten um Hinweise bitten. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich die Vorwürfe erhärten“, sagte Sprecherin Ute Quednow am Sonntag, dennoch nehme man das Thema sehr ernst.

Die Einrichtung ist die größte diakonische Einrichtung für Behinderte in Niedersachsen. Am Hauptsitz im Hildesheimer Ortsteil Sorsum wohnen 300 erwachsene Behinderte und gut 100 Kinder. Noch einmal 460 Behinderte sind in Heimen und Wohnungen in der Umgebung untergebracht.

Einvernehmliche Sexualität zwischen Behinderten, aber auch mit Nichtbehinderten ist nicht strafbar. Anders sieht es aus, wenn die Hilflosigkeit von Behinderten ausgenutzt wird. „Wir wissen, dass es da ein Gefährdungspotential gibt und versuchen, dem vorzubeugen“, sagte Sprecherin Quednow. So biete die Diakonie ihren Bewohnern Kurse zum Thema Sexualität an, aber auch zur Selbstverteidigung. „Wir tun da viel, prüfen jetzt aber, ob man das noch intensivieren muss.“

Hagen Eichler

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