Unruhen in Ferguson

Proteste nach weiterem toten Afroamerikaner

+
Demonstrationen ja: Doch im Gegensatz zu den vergangen Tagen, bleiben die Proteste friedlich.

Ferguson - Die Proteste in Ferguson gehen weiter. Am Montag hatten Polizisten erneut einen Afroamerikaner erschossen, der die Beamten mit einem Messer bedroht haben soll. Seitdem herrschen nächtelange Auseinandersetzungen mit Demonstranten. Die Polizei setzt auf Deeskalation.

Trotz mehrerer Störaktionen und 47 Festnahmen ist es in der von Unruhen erschütterten US-Kleinstadt Ferguson in der Nacht zum Mittwoch ruhiggeblieben. Stundenlang hatten Hunderte Protestler friedlich in dem Vorort von St. Louis demonstriert und Gerechtigkeit für den getöteten Jugendlichen Michael Brown gefordert. Es flogen weder Molotowcocktails, noch ging die Polizei mit Blendgranaten oder Tränengas vor. Bei einem kurzen Zusammenstoß mit Demonstranten setzte die Polizei Pfefferspray ein.

Einige mit Urin und Wasser gefüllte Glas- und Plastikflaschen veranlassten die Polizei gegen Mitternacht (Ortszeit), gezielt Unruhestifter aus dem Verkehr zu ziehen. Diese versteckten sich im Lauf des Abends immer wieder in der großen Menge von Reportern. In einer nächtlichen Pressekonferenz lobte der verantwortliche Polizist Ron Johnson den Einsatz. „Heute Abend haben wir eine andere Dynamik gesehen (...) Ich glaube, heute Abend wurde ein Wendepunkt erreicht.“

Die Polizei hatte Demonstranten vorher gebeten, nur bei Tageslicht auf die Straße zu gehen. „Sie sollten nicht als Schutzschild der Gesetzbrecher in der Nacht dienen“, sagte Johnson. „Kein Polizist hat eine einzige Kugel abgegeben“, erklärte Johnson. Das teils harte Durchgreifen der örtlichen Polizei vergangene Woche war mehrfach kritisiert worden. Zur neuen Strategie gehörte, dass die Demonstranten nicht stehen bleiben und nur auf dem Bürgersteig gehen durften.

Abseits der Protestmeile habe sich ein Auto dem Kommandozentrum der Polizei genähert, sagte Johnson. Nach einer an einen Polizisten gerichteten Morddrohung seien die Insassen festgenommen und zwei Pistolen beschlagnahmt worden. Einer der 47 Unruhestifter, der aus Austin (Texas) stammt, wurde bereits zum dritten Mal festgenommen.

Stunden vor der neuerlichen Demonstration hatten Polizisten in St. Louis einen Afroamerikaner erschossen. Der 23-Jährige habe die Beamten mit einem Messer bedroht, sagte Polizeichef Sam Dotson vor Journalisten. Der Verdächtige habe sich unberechenbar verhalten und die Polizisten aufgefordert, ihn zu erschießen.

An Michael Browns Mahnmal, wo Angehörige und Freunde Kuscheltiere, Blumen, Kerzen und Plakate aufgestellt hatten, versammelten sich erneut Menschen zur Andacht. Seine 16 Jahre alte Cousine Aaliyah Trice sagte der Nachrichtenagentur dpa, Brown sei ein ruhiger, bescheidener Junge gewesen. Seine Familie fordert, dass der Todesschütze Darren Wilson angeklagt wird.

Viele Journalisten und Kamerateams aus aller Welt beobachteten das Geschehen in dem Vorort der Metropole St. Louis. Auch Journalisten aus Deutschland waren vertreten. Drei deutsche Reporter waren am Vortag vorübergehend festgenommen worden. Ansgar Graw, der für die „Welt“-Gruppe arbeitet, sprach in einem WDR-Interview am Mittwoch von einer bewussten Einschränkung der Pressefreiheit. Er könne sich die ungewöhnlichen Festnahmen nur mit der Inkompetenz der Polizeiführung erklären.

Der Tötungsfall Michael Brown kommt am Mittwoch vor eine Geschworenenjury. Zugleich wird Justizminister Eric Holder in Ferguson erwartet, um sich ein Bild von der Lage zu verschaffen. Auch das Justizministerium und die Bundespolizei FBI ermitteln.

dpa

4322521

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare