Ottobock-Gruppe

Prothesenhersteller feiert mit 300 Flüchtlingen

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Duderstadt - Hans Georg Näder gehört zu den reichsten Niedersachsen. Doch der Chef der weltweit agierenden Ottobock-Gruppe hat die Fluchtgeschichte seiner Familie nicht vergessen. Auch deshalb feiert er mit 300 Kriegsflüchtlingen.

Einer der reichsten Niedersachsen hat Hunderte Kriegsflüchtlinge zum gemeinsamen Abendessen eingeladen. Firmeninhaber Hans Georg Näder feierte am Donnerstagabend sein 25-jähriges Jubiläum an der Spitze der Duderstädter Ottobock-Gruppe. Neben Gästen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft waren auch 300 Menschen dabei, die aus Syrien oder dem Irak fliehen mussten. Der ebenfalls anwesende Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, bezeichnete die Einladung als „vorzügliches Beispiel für zivilgesellschaftliches Engagement“.

Die Speisen für die Flüchtlinge, die im Lager Friedland und in Westerode (Kreis Göttingen) untergebracht sind, wurden nach Einbruch der Dunkelheit aufgetragen. Denn viele der muslimischen Gäste essen wegen des Ramadan in diesen Tagen nicht vor Sonnenuntergang. Es gab Kalbfleisch und Hähnchen am Spieß, Lammkoteletts, Rinderwurst, gegrillte Zucchini, Auberginen, Milchreis und Salate. Alkoholfreie Getränke wurden gereicht. Gesessen wurde im Freien auf geschmückten Bierzeltgarnituren.

Anlass für die ungewöhnliche Einladung sei die Geschichte seiner eigenen Familie, ließ der Firmenchef mitteilen. Seine Eltern waren 1946 als Kriegsflüchtlinge nach Duderstadt gekommen, nachdem ihr Unternehmen in Thüringen entschädigungslos enteignet worden war. Sie hatten in Südniedersachsen dann unter schwierigsten Bedingungen den Neustart geschafft. Auch in Erinnerung daran wolle er mit Menschen feiern, „die als Kriegsflüchtlinge in Deutschland heute zwischen Hoffen und Bangen leben“.

Die Ottobock-Gruppe gilt heute mit einem Jahresumsatz von gut einer Milliarde Euro und weltweit 8000 Mitarbeitern als Marktführer in der technischen Orthopädie. Das Vermögen des Firmeninhabers wird in einer 2014 vom niedersächsischen Landesamt für Statistik publizierten Veröffentlichung mit 950 Millionen Euro beziffert.

Etwas Vergleichbares habe er in seinen vielen Jahren in der Arbeit mit Flüchtlingen noch nicht erlebt, sagte der Leiter des Lagers Friedland, Heinrich Hörnschemeyer. Für die Menschen sei eine solche Einladung ermutigend. „Sie haben sie sehr gerne angenommen.“

Das Aufnahmelager sei derzeit mit mehr als 1000 Bewohner ungewöhnlich voll, sagte Hörnschemeyer. „Wir müssen noch mehr zusammenrücken, als wir das in den vergangen Wochen und Monaten schon gemacht haben.“

dpa/lni

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