Übergangs-Plenarsaal

Für ein Provisorium fast zu schade

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Charmant, aber eng: In zwei Wochen findet im provisorischen Plenarsaal im Georg-von-Cölln-Haus die erste Landtagssitzung statt.

Hannover - Die letzten Malarbeiten sind abgeschlossen, die Abgeordnetenbänke geputzt. „Wir sind fast fertig, der Landtag kann kommen“, sagt Bernd Busemann, der Landtagspräsident. Am Mittwoch in zwei Wochen wird der Landesgesetzgeber in völlig neuer Umgebung tagen - im Georg-von-Cölln-Haus gegenüber der Marktkirche.

Nur die schlanken gusseisernen Säulen erinnern noch an die alte Eisenwarenhandlung, die hier einmal war. Jetzt stehen Abgeordneten­sessel dicht an dicht in der großen Halle, in die eine Decke gehängt wurde. „Wegen der Akustik“, erläutert Busemann: „Sonst hätte man hier die berühmte, sprichwörtliche Nadel fallen hören.“

Der Präsident ist fast ein wenig stolz auf das Provisorium, in dem die 137 Abgeordneten mindestens bis zum Frühjahr 2017 tagen müssen. Bis zu diesem Tag wird der alte Plenarsaal, dessen denkmalgeschützte Hülle stehen bleibt, im Inneren völlig neugestaltet und den Bedürfnissen eines modernen Parlamentsbetriebes angepasst. Doch das 2,5 Millionen Euro teure Übergangsparlament wirkt gar nicht wie ein Provisorium. „So schön, wie die Räume geworden sind, so zwingend sind Überlegungen für eine vernünftige Nachnutzung“, sagt der Landtagspräsident. Er kann sich gut vorstellen, dass auch „externe gehobene Veranstaltungen“ hier dereinst stattfinden können, Kunst- und Kulturveranstaltungen, interessante, politische Tagungen. Möglicherweise könne man den provisorischen Landtagssaal auch für Ausschusssitzungen nutzen, die auf ein großes Publikumsinteresse stoßen: „Unsere Ausschüsse tagen jetzt auch öffentlich“, sagt Busemann. Vieles sei denkbar. Ende September wird hier jedenfalls eine große Literaturveranstaltung stattfinden.

Aber am 24. September ist erst einmal Neubeginn für den Landtag und seine Mitglieder - nach Busemanns Worten auch Chance für einen „Neubeginn im Miteinander“. Nichts gegen den parlamentarischen Streit - für den Präsidenten ist er das Salz in der Suppe. Aber vielleicht könnten die Umgangsformen etwas gepflegter werden. „Der neue, provisorische Saal hat seinen Charme, aber es wird ein wenig eng, was Anforderungen an die Disziplin der Abgeordneten, aber auch an die Vertreter der Medien bedeutet.“ Herumgewusel zwischen den jetzt sehr engen Sitzreihen wird der Landtagspräsident jedenfalls unterbinden. Und laute Gespräche aus der Landtagscafeteria - auch sie ist vorgesehen im 1. Stock - wird es ebenso wenig geben können. „Ich werde in meiner ersten Rede im neuen Plenarsaal wohl ein paar klare Hinweise geben müssen.“

Immerhin ist viel getan worden, damit Regierung und Opposition auch im neuen Landtag vernünftig arbeiten können. Kleine Sitzungs- und Rückzugsräume befinden sich im 1. Stock. Die Landtagsvizepräsidenten haben auch im neuen Gebäude ihre Büros, während Präsident Busemann und der Landtagsdirektor im altem Leineschloss die Stellung halten. Dort ist übrigens etwas errichtet worden, was Politiker gewöhnlich eher einreißen wollen: eine Mauer. Sie trennt den Präsidenten- und Fraktionstrakt vom alten Innenbereich, der völlig entkernt wird. „Schon wegen der Lautstärke brauchten wir eine Mauer.“

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