Frau ist geständig

Prozess gegen Mutter getöteter Säuglinge beginnt

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Eine Kinderschaukel hängt vor einem Wohnhaus, fotografiert in der Ortschaft Ostertimke in Niedersachsen. Auf dem Dachboden des Hauses wurden zwei Babyleichen entdeckt.

Stade - Auf einem Dachboden wurden im Sommer im niedersächsischen Dorf Ostertimke zwei stark verweste Babyleichen gefunden. Der Fall sorgte für Entsetzen. Die Mutter ist geständig. Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen die 43-Jährige.

Jahrelang hat ein Vater nichts von zwei toten Säuglingen auf dem Dachboden seines Hauses in Ostertimke im Kreis Rotenburg/Wümme gewusst. Erst beim Aufräumen Ende Juni dieses Jahres findet er dort eine verweste Leiche und ruft die Polizei.

Die Beamten entdecken einen zweiten toten Säugling. Die Ex-Frau des Mannes hat zugegeben, die beiden Kinder geboren und auf dem Dachboden des Wohnhauses der Familie versteckt zu haben. Vor dem Landgericht Stade muss sich die 43-Jährige von Mittwoch an wegen zweifachen Totschlags durch Unterlassen verantworten.

Die Anklage wirft der Frau vor, in der Zeit von 1996 bis 2001 zwei ihrer Kinder nach der Geburt ausgesetzt und dadurch getötet zu haben. Einen Jungen und ein Mädchen soll sie ohne fremde Hilfe zu Hause entbunden haben.

Der Sohn wurde in einer Tasche, die Tochter in einer Kühlbox auf dem Dachboden des Hauses versteckt. Vor einigen Jahren hatte die Frau ihren Mann und zwei schulpflichtige Kinder verlassen. Sie wohnte bis zu ihrer Verhaftung mit einem neuen Partner in Südniedersachsen. Seit Sommer sitzt die 43-Jährige in Untersuchungshaft. Das Dorf mit seinen 200 Einwohnern nahm mit einem Trauergottesdienst von den toten Säuglingen Abschied.

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hat die Angeklagte ihre Schwangerschaften stets verborgen gehalten, auch ihr Ehemann hatte nichts mitbekommen. Bei ihrer Festnahme hatte die Frau noch von einem dritten Säugling gesprochen, den sie im Garten des Hauses unter einer Hecke abgelegt haben will.

Ein Körper wurde aber nicht gefunden. Auch zu einem vierten Fall stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. Im Dezember 1988 war an einem Rastplatz in der Nähe des kleinen Ortes ein toter Säugling gefunden worden. Das Kind starb laut gerichtsmedizinischer Untersuchung an einer natürlichen Todesursache. Die Identität wurde bis heute nicht geklärt.

Das Landgericht hat für den Prozess zunächst sieben Verhandlungstage anberaumt. Nach Angaben einer Gerichtssprecherin werden auch ein Psychiater und ein Rechtsmediziner ihre Gutachten vorstellen. Dabei gehe es unter anderem um die Frage, ob die Neugeborenen bei der Geburt lebensfähig gewesen seien.

dpa

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