Vorwurf sexueller Missbrauch

Prozess gegen Olympia-Coach vertagt

Kiel - Ein Olympia-Trainer soll die Betreuung einer jungen Schwimmerin jahrelang zum Sex ausgenutzt haben. Seit Dienstag steht er deswegen vor Gericht. Stundenlang wurde die junge Frau befragt. Dann vertagte sich das Kieler Gericht.

Nach mehrstündiger Befragung des mutmaßlichen Opfers ist am Dienstag der Prozess gegen einen Olympia-Trainer vertagt worden. Dem Mann wird jahrelanger sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll das Betreuungsverhältnis zu einer jungen Schwimmerin ausgenutzt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm 18 Fälle vor. Das Kieler Amtsgericht will am Donnerstag zwei weitere Zeuginnen hören. Ob dann auch schon ein Urteil verkündet wird, blieb zunächst offen.

Zum Prozessauftakt konnte der Olympia-Trainer den Kameras nicht entkommen: Minutenlang klickten die Fotoapparate, als der Angeklagte im Verhandlungssaal Platz nahm. Er musste auch hinnehmen, dass peinliche Details der Anklage vor Publikum verlesen wurden. Auf Antrag von Verteidigung und Nebenklage wurde die Öffentlichkeit dann aber bis zur Urteilsverkündung ausgeschlossen.

Staatsanwältin Veronika Stoltz-Uhlig schilderte die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe des deutlich älteren Mannes an der jungen Schwimmerin. Dabei schüttelte der Angeklagte kaum merklich den Kopf. Im Verfahren äußerte er sich bisher nicht. Sein Verteidiger hatte schon vor Prozessbeginn die Vorwürfe zurückgewiesen. Nach der Vernehmung des mutmaßlichen Opfers sagte er: „Dabei bleibt es.“

Stoltz-Uhlig verlas dagegen intimste Details aus den Jahren 2004 bis 2006. Demnach steigerte der Mann seine sexuellen Ansprüche an die noch unerfahrene junge Frau zunehmend - offenbar gegen ihren Willen. Anfangs habe die damals 16-Jährige die sexuellen Handlungen „passiv mit geschlossenen Augen“ über sich ergehen lassen. Bei späteren Übergriffen - unter anderem in seiner damaligen Wohnung, im Wald und in einem gemeinsamen Hotelzimmer bei Schwimmmeisterschaften 2005 in Berlin - habe sie Schmerzen gehabt und geweint. „Was er auch registrierte“, und dennoch weitermachte, sagte die Anklägerin.

2004 soll der Trainer zum ersten Mal sexuell übergriffig geworden sein - bei einem gemeinsamen Urlaub auf Kreta. Das mutmaßliche Opfer soll betrunken gewesen sein. Der Mann trainierte sie seit 2000 und zu diesem Zeitpunkt neunmal pro Woche. Er bestimmte laut Anklage maßgeblich das Leben der jungen Frau - vom Essen bis zur psychischen Befindlichkeit. „Er reglementierte auch außerhalb des Trainings ihr Verhalten“, sagte Stoltz-Uhlig. Die Eltern vertrauten ihm.

2009 stellte die junge Frau Strafanzeige. Sie ist in dem Verfahren auch Nebenklägerin. Dass erst September 2011 Anklage erhoben wurde, führt die Staatsanwaltschaft auf die Verteidigung zurück, die mehrfach um Fristverlängerung gebeten habe. Anklage und Prozesstermin soll der Trainer dem Deutschen Schwimmverband verschwiegen haben. Er hätte sonst nicht zu den Olympischen Spielen nach London mitfahren dürfen, stellte der Verband klar. Der Verband will über personelle Konsequenzen nach Ende des Prozesses beraten.

Juristisch drohen dem Trainer bei einem Schuldspruch vom Amtsgericht maximal vier Jahre Haft. Um die Persönlichkeitsrechte des Angeklagten und der jungen Frau zu schützen, hatte die Vorsitzende des Schöffengerichts, Juliane Schroeter, die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Dies hatten Verteidigung und Nebenklage beantragt. Anklage und Urteil sollten aber öffentlich verkündet werden. Verteidiger Kai Dupre meinte: „Selbst bei einem Freispruch ist die berufliche Zukunft meines Mandanten ruiniert.“

dpa

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