Blutiger Familienzwist in Lüneburg

Prozess um Klinikum-Schießerei wird fortgesetzt

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Foto: Ein Polizeiauto fährt in Lüneburg auf das Gelände des städtischen Klinikums. Im Prozess um die blutige Auseinandersetzung von zwei Großfamilien müssen sich sieben Männer verantworten.

Lüneburg - Das Verfahren um den blutigen Konflikt zweier Großfamilien in Lüneburg wird nicht eingestellt. Die Richter lehnten am Freitag entsprechende Anträge ab. Sieben Männer müssen sich in dem Mammutprozess verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem versuchten Mord vor und sprach von „Blutrache“.

Im Prozess um eine blutige Auseinandersetzung vor dem Klinikum Lüneburg haben drei Angeklagte einen Teil der Vorwürfe gegen sie eingeräumt. Anträge auf eine Aussetzung des Verfahrens hatte das Landgericht am Freitag zuvor als unbegründet abgewiesen. Die Verteidiger hatten kritisiert, die Anklage sei viel zu diffus. In dem Mammutprozess geht es um einen Streit zwischen zwei Großfamilien im September, deswegen müssen sich sieben Männer verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem versuchten Mord vor.

Bei dem Konflikt waren acht Menschen teils schwer verletzt worden, drei davon wurden von Schüssen getroffen. Die Anklage spricht von Blutrache. Die Verteidiger kritisieren, dieser Vorwurf beruhe auf Vorurteilen gegen die Angeklagten. Eine der Familien gehört den sogenannten Mhallamiye-Kurden an, die staatliche Autoritäten oft nicht anerkennen.

Ein Angeklagter räumte am Freitag ein, mehrere Schüsse aus einer Pistole abgegeben zu haben. Er habe aber nur zur Waffe gegriffen, weil zuvor sein Bruder angegriffen wurde. Der Streit mit der anderen Familie reiche Jahre zurück, sagte der Angeklagte. Immer wieder habe es zerstochene Reifen, eingeschlagene Scheiben oder Morddrohungen gegeben. Auf Anzeigen habe die Polizei nicht reagiert. „Entweder diese Familie ist stärker als die Bundesrepublik Deutschland oder die wollen nichts tun“, habe man gedacht. Zu den Ursachen des Konflikts sagte er nichts.

Der Streit zwischen zwei Familien libanesisch-kurdischer und türkisch-kurdischer Herkunft soll am 5. September mit einer Massenschlägerei in einem Fitnessstudio ausgebrochen sein. Mehrere Kontrahenten mussten ins Krankenhaus. Dort kam es dann am nächsten Tag laut Anklage zu einem Angriff mit Baseballschlägern, Schlagstöcken, einer Pistole und einem Revolver. Sogar in die Klinik wurde der Streit getragen. Dort wurde brutal auf einen Angeschossenen eingeschlagen, der sich in das Gebäude retten wollte. Ein weiterer Angeklagter bestritt in einer von seinem Anwalt verlesenen Erklärung, dass es eine Verabredung zur Blutrache gegeben habe. Er räumte aber ein, den Wagen gesteuert zu haben, mit dem einer der Verletzten angefahren worden war.

Auch ein dritter Angeklagter bestritt jede Planung. Er sei wegen seiner schweren Verletzungen vom Vortag zur Klinik gefahren worden. Dort seien dann die Mitglieder der anderen Familie auf ihn losgegangen. Zuvor sei er wegen einer Strafanzeige von der Polizei vertröstet worden. „Ich sah mich und meine Familie von der Polizei im Stich gelassen.“

Der Mann räumte ein, in der Klinik auf eines der Opfer eingeschlagen zu haben. Er habe erst aufgehört, als eine Ärztin oder Schwester rief: „Nun ist aber genug jetzt!“ Auch er bestritt aber, dass er sein Opfer töten wollte. In der kommenden Woche sollen Mitglieder der anderen Familie als Zeugen aussagen.

dpa

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