Celle

Prozess nach Prügelei wegen IS-Gräueltaten

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Foto: Ein 31-Jähriger muss sich nach Auseinandersetzungen zwischen jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen in Celle im Oktober 2014 wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht Lüneburg verantworten.

Lüneburg - Streit um die Gräueltaten der Terrormiliz IS: In Celle prügelten sich im Oktober Hunderte jesidische Kurden mit muslimischen Tschetschenen. Jetzt muss sich einer der Kurden vor Gericht verantworten – und gibt bereitwillig zu, einen der Gegner mit einer Teleskopstange geschlagen zu haben.

Ein 31-Jährige kurdischer Abstimmung war unter der Gruppe von Jesiden, die im Oktober 2014 einen52-jährigen Tschetschenen bei Krawallen in Celle stark verletzt haben. Zum Prozessauftakt in Lüneburg hat er zugegegeben, das Opfer mit einem Teleskopschlagstock geschlagen zu haben.

Nach den Krawallen zwischen Kurden und Jesiden vom vergangenen Herbst in Celle muss sich ein 31-Jähriger seit Freitag wegen versuchten Totschlags vor dem Lüneburger Landgericht verantworten. Der Deutsche kurdischer Abstammung räumte zu Prozessauftakt ein, einen 52-jährigen Tschetschenen mit einem Teleskopschlagstock geschlagen zu haben. Er habe aber nicht auf den Kopf gezielt und den Mann auch nicht töten wollen. Das Opfer erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf. Kurz vor dem Zwischenfall war der Bruder des Angeklagten bei den Auseinandersetzungen verletzt worden.

Zu den Zusammenstößen zwischen jesidischen Kurden und muslimischen Tschetschenen war es Anfang Oktober vor dem Hintergrund des Vorrückens der Terrormiliz Islamischer Staat gekommen. Auslöser der zweitägigen Krawalle war ein Missverständnis gewesen. Einige wegen den Massakern an Familienmitgliedern in der Heimat aufgebrachte Jesiden hatten einen Tschetschenen wegen seines Bartes für einen Islamisten gehalten und angegriffen, der Konflikt eskalierte.

Der 52-Jährige kam nach den Angriffen mit einer Gesichtsfraktur, einem Armbruch und gebrochenen Rippen ins Krankenhaus. „Ich bin kein gesunder Mensch mehr“, sagte er am Freitag über eine Dolmetscherin. Seit dem Zwischenfall sei er arbeitsunfähig. Anders als in den Vernehmungen der Polizei zeigte der 52-Jährige erhebliche Gedächtnislücken und erregte so den Unwillen der Kammer. Er habe Fleisch für das muslimische Opferfest holen wollen, an mehr könne er sich nicht erinnern. „Sie sind bestimmt provoziert worden, aber was passiert, ist passiert“, sagte er zum Angeklagten, als dieser sich bei ihm entschuldigen wollte.

Die Staatsanwaltschaft konnte Videoaufnahmen der Auseinandersetzungen und DNA-Spuren an dem Schlagstock ins Feld führen. Bei einer späteren Hausdurchsuchung waren zudem eine Pistole und Munition bei dem Angeklagten gefunden worden. Dazu wollte der 31-Jährige am Freitag zunächst keine Aussage machen. Bis zum 24. Februar hat die 10. große Strafkammer insgesamt sechs Verhandlungstage angesetzt.

dpa/lni

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