Verfahren eingeleitet

Prügelvorwürfe gegen „Zwölf Stämme“

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Der Direktor des Amtsgerichts Nördlingen, Helmut Beyschlag, während einer Pressekonferenz zu einem Polizei-Einsatz bei der Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“.

Augsburg - Erst vor wenigen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Mitglieder der „Zwölf Stämme“ eingestellt. Nachdem die Polizei nun alle Kinder aus der Glaubensgemeinschaft holte, wird wieder von vorn ermittelt.

Nach erneuten Berichten über Gewalt an Kindern bei der umstrittenen Glaubensgemeinschaft „Zwölf Stämme“ hat die Staatsanwaltschaft wieder ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Es werde wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung gegen Mitglieder der Gemeinschaft ermittelt, sagte der Sprecher der Anklagebehörde in Augsburg, Christian Engelsberger, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Erst vor wenigen Wochen hatte die Behörde ein Verfahren zu den Akten gelegt, weil sich die Vorwürfe nicht beweisen ließen.

Am Donnerstag hatte die Polizei dann alle 40 Kinder und Jugendlichen abgeholt. Sie waren im Alter von wenigen Monaten bis 17 Jahre und lebten auf dem schwäbischen Gutshof Klosterzimmern in Deiningen (Landkreis Donau-Ries) sowie aus einer weiteren Gemeinschaft der „Zwölf Stämme“ in Wörnitz (Kreis Ansbach). Das Amtsgericht Nördlingen hatte angeordnet, dass die Kinder wegen der Misshandlungsvorwürfe in Pflegefamilien untergebracht werden.

Aussteiger hatten wieder Prügelvorwürfe gegen die Gemeinschaft erhoben. Gerichtsdirektor Helmut Beyschlag sprach von einem „massiven Verstoß gegen die gewaltfreie Erziehung“.

Die Staatsanwaltschaft hatte bereits wegen früherer Vorwürfe langwierig gegen Eltern und Erzieher der „Zwölf Stämme“ aus Klosterzimmern ermittelt, das Verfahren gegen vier Männer und eine Frau aber im August eingestellt. Die Ankläger hatten zwar keine Zweifel daran, dass Kinder wirklich geschlagen wurden, „allerdings ließen sich diese Taten nicht in der für eine Anklage ausreichenden Weise konkretisieren“, hieß es.

Nun seien neuen Beweise sichergestellt worden, sagte Engelsberger. Er wies darauf hin, dass die Untersuchung im familiären Umfeld allerdings auch in diesem Fall wieder recht schwierig werden könnte. „Man muss daran denken, dass hier auch Zeugen ein Zeugnisverweigerungsrecht haben“, sagte er. Auch die Staatsanwaltschaft Ansbach wurde wegen der Gemeinschaft in Wörnitz vom Familiengericht eingeschaltet.

dpa

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