Protestaktion in der Arktis

Putin beschuldigt Greenpeace-Aktivisten

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Foto: Die Behörden nahmen die Crew des Greenpeace-Aktionsschiffs "Arctic Sunrise" in der nordrussischen Stadt Murmansk für 48 Stunden fest.

Moskau - Sie stehen unter Piraterie-Verdacht: Das Schicksal von 30 Greenpeace-Aktivisten in Nordrussland ist weiter unklar. Ihnen droht jahrelange Haft. Auch Präsident Putin schaltet sich in den Fall ein.

Kremlchef Wladimir Putin hat die 30 festgenommenen Greenpeace-Aktivisten wegen ihrer Protestaktion in der Arktis scharf kritisiert, zugleich aber eine mildere Strafe angedeutet. "Ich weiß nicht genau, was dort passiert ist, aber es ist klar, dass sie keine Piraten sind", sagte Putin am Mittwoch auf einer Arktis-Konferenz in Nordsibirien. Die russische Justiz ermittelt nach dem Protest gegen geplante Ölbohrungen im Nordpolarmeer bislang wegen bandenmäßiger Piraterie. Dafür sieht das Gesetz bis zu 15 Jahre Haft vor.

Die Behörden nahmen die Crew des Aktionsschiffs "Arctic Sunrise" in der nordrussischen Stadt Murmansk inzwischen formell für 48 Stunden fest. Nach Greenpeace-Angaben wurden die Umweltschützer in Gefängnisse in Murmansk und Umgebung gebracht. Sie sitzen aber nicht in Untersuchungshaft. Die Organisation weist die Anschuldigungen zurück und wirft den Behörden illegales Handeln vor.

Putin beschuldigte die Aktivisten, gegen internationales Recht verstoßen zu haben. "Formell gesehen haben sie versucht, die Ölplattform zu besetzen", sagte der russische Präsident der Agentur Interfax zufolge. "Müssen PR-Aktionen wirklich solche gravierende Folgen haben?" Putin nahm die russischen Sicherheitskräfte, die die "Arctic Sunrise" geentert und nach Murmansk geschleppt hatten, in Schutz. "Sie wussten nicht, wer da unter dem Deckmantel von Greenpeace versuchte, die Plattform zu erstürmen", sagte Putin. Die Aktivisten wollten nach eigenen Angaben ein Transparent an der Plattform des Staatskonzern Gazprom in der Petschorasee befestigen und damit gegen geplante Ölbohrungen protestieren.

Putin forderte die Umweltorganisation auf, ihre Forderungen auf internationalen Konferenzen vorzubringen und nicht mit der "Erstürmung von Plattformen und Schiffen". Auch der russische Umweltminister Sergej Donskoi kritisierte den Protest. Greenpeace warf den Behörden vor, nicht allen Diplomaten und Anwälten Zugang zu den Festgenommenen gewährt zu haben. Wladimir Markin von der Ermittlungsbehörde in Moskau kündigte an, die ausländischen Aktivisten erst zu vernehmen, wenn sie mit Dolmetschern und Anwälten gesprochen hätten. "Die Crew ist verängstigt", sagte eine Mitarbeiterin der argentinischen Botschaft in Moskau der Nachrichtenagentur dpa. Zwei der Festgenommenen sind Argentinier.

dpa

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