Neuer Superhafen

Rabattschlacht um den Jade-Weser-Port

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Streit um die Hafengebühren: Der Hafenbetreiber Eurogate hält die Abfertigungsentgelte für den Jade Weser Port für zu hoch.

Wilhelmshaven - Ein Streit um die Hafengebühren überschattet die für kommenden Freitag geplante Feier zum Start des Jade-Weser-Ports. Der Hafenbetreiber Eurogate hält die von der niedersächsisch-bremischen Hafengesellschaft festgelegten Abfertigungsentgelte für zu hoch - hat sich mit dieser Haltung vor Gericht aber nicht durchsetzen können.

Hafengesellschaft und Betreiber Eurogate sind sich zwar im Prinzip einig, dass der neue Hafen mit Niedrigpreisen zunächst neue Reeder anlocken soll. Tatsächlich gibt es bei den Hafengebühren auch kräftige Rabatte von bis zu 70 Prozent, allerdings nur für die ersten 18 Monate. Diesen Zeitraum hält Eurogate für zu kurz, da Reeder ihre Linien sehr langfristig buchen würden. Nach Ablauf der ersten anderthalb Jahre verlange die Hafengesellschaft aber für die Containerschiffe 32 Cent je Bruttoregistertonne, maximal 145000 Euro. In Hamburg und Bremerhaven liege der Preis nur bei 23 Cent, die Kappungsgrenze ist dort auch niedriger. Eurogate meint aber, dass der Jade-Weser-Port noch stärker locken müsse - Reeder sollen von Hamburg hierher umsatteln.

Die Hafengesellschaft hält dem entgegen, dass auch Eurogate mit seinen Gebühren bei der Abfertigung der Schiffe Rabatte geben könne - die Hafengebühren würden am Gesamtpreis einer Schiffsentladung nur einen Anteil von maximal zehn Prozent ausmachen.

Mit dem Versuch, die Gebührenordnung über eine einstweilige Anordnung zu stoppen, ist Eurogate vor dem Oberlandesgericht Oldenburg gescheitert. Doch die Betreiberfirma erwägt, in der Hauptsache vor Gericht zu ziehen. Allerdings soll das noch nicht so bald geschehen, man will die feierliche Hafeneröffnung am 21. September nicht trüben.

Ungeklärt bleibt vorerst auch die Frage, wie es zu den mittlerweile 341 Löchern in der Spundwand, sogenannten „Schloss-Sprengungen“, kommen konnte. Versicherung und Baufirmen arbeiten parallel an Gutachten zu der Ursache. Manche mutmaßen, die Baufirma habe die falsche Rammtechnik beim Einbau der Bohlen angewandt. Eine andere Theorie besagt, der Druck auf die Mauer sei zu groß gewesen, weil nach Aufspülen des Sand-Wasser-Gemisches das Wasser langsamer als geplant wieder abgeflossen sei. Offen bleibt demnach, ob es sich um einen Versicherungsschaden handelt. Auf den ersten 1000 Metern der Kaimauer sind die Löcher bereits abgedichtet, auf den restlichen 725 Metern geschieht das derzeit.

Vom 21. September an wird die mit Eurogate verbandelte Reederei Maersk zwei regelmäßige Liniendienste einrichten: Einmal wöchentlich verkehrt ein Schiff zwischen Wilhelmshaven und China, eines zwischen Wilhelmshaven und Südamerika. Die erste Fracht ist Obst aus Südamerika für die Nordfrost, die neben dem Jade-Weser-Port ein modernes Kühlhaus gebaut hat.

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