Falsch deklarierte Wurstwaren

Razzia bei Bremer Fleischbetrieb Könecke

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Foto: Ist auch alles drin, was draufsteht? Die Polizei führte im Fleischbetrieb Könecke eine Razzia durch.

Bremen - Wegen des Verdachts von falsch deklarierter Wurst ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen der größten deutschen Fleischhersteller in Bremen. Der Wurstwarenhersteller Könecke soll Separatorenfleisch in seinen Produkten verarbeitet haben.

In einer groß angelegten Razzia hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg am Dienstag etliche Fleischbetriebe in Niedersachsen und Bremen durchsucht. Nach Informationen der HAZ richtet sich der Verdacht der falschen Kennzeichnung von Wurstwaren gegen einen der größten Fleisch- und Wurstwarenhersteller Deutschlands: Bei Könecke mit Sitz in Bremen und Delmenhorst soll Separatorenfleisch in Geflügelwurst verarbeitet worden sein.

Das ist zunächst nicht verboten, solange die Produkte entsprechend gekennzeichnet werden. Separatorenfleisch, auch „Knochenputz“ genannt, ist mit Maschinen von Knochen gelöstes Fleisch. Weil es billiger ist, wird es oft in Wurstwaren verarbeitet. Seit der BSE-Krise darf Separatorenfleisch von Rindern in Deutschland nicht mehr eingesetzt werden. Bei anderen Fleischarten müssen die Produkte entsprechend gekennzeichnet werden. Ein solcher Hinweis fehlte möglicherweise.

Ein Sprecher der Könecke-Fleischwarenfabrik in Bremen wies den Verdacht zurück, die Zutaten der Geflügelwurst seien nicht ordnungsgemäß auf der Verpackung angegeben worden: „Wir haben keinerlei Hinweise darauf, dass bei von uns vermarkteten Produkten eine unzureichende Kennzeichnung erfolgt wäre.“ Man arbeite eng mit den zuständigen Ämtern zusammen und sei an einer zügigen Aufklärung interessiert.

Im Zuge der Ermittlungen wurden auch Zulieferbetriebe durchsucht, darunter namhafte Vertreter der niedersächsischen Geflügelbranche. „Es hat verschiedene Durchsuchungsorte gegeben, und es war eine große Zahl von Beamten im Einsatz“, sagte die Oldenburger Oberstaatsanwältin Frauke Wilken. Gegen die Zulieferer werde allerdings nicht ermittelt, betonte die Sprecherin der Oldenburger Staatsanwaltschaft. Der Sprecher eines der Zulieferer betonte, man habe sich während des Besuchs der Staatsanwaltschaft kooperationsbereit gezeigt. Für Verbraucher besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Oldenburg keine Gefahr. Der Sprecher des Bremer Unternehmens erklärte gegenüber der HAZ, die beanstandeten Wurstwaren seien nicht mehr auf dem Markt. Es gehe um „Altfälle aus den Jahren 2011 und 2012“. Das Separatorenfleisch war den Lebensmittelüberwachungsbehörden vor zwei Jahren in Proben von Könecke aufgefallen. Seitdem laufen die Ermittlungen.

Könecke beliefert fast den gesamten deutschen Einzelhandel. Das Traditionsunternehmen aus Bremen gehört mittlerweile zur Zur Mühlen Gruppe mit Stammsitz im schleswig-holsteinischen Böklund. Mit Marken wie Böklunder, Redlefsen oder Könecke ist die zur Mühlen Gruppe eigenen Angaben zufolge Marktführer bei Wurstwaren aus dem Kühlregal. Der Anteil soll 22 Prozent betragen. Die zur Mühlen Gruppe gehört wiederum mehrheitlich Deutschlands größtem Fleischverarbeiter, Clemens Tönnies aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück.

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