Sinkende Schülerzahlen

Region will marode Berufsschulen loswerden

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Foto: Auf das Gebäude der BBS 3 sind erst vergangenes Jahr für 1,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II drei kleine Häuser aufgesetzt worden.

Hannover - Die Region stößt mit ihren Plänen zur Verkleinerung der Berufsschulen auf Widerstand. Die Verwaltung will dringend auf Gebäude verzichten, denn die Schülerzahlen sinken. Der Schwund an Berufsschülern hat mehrere Gründe: Der Anteil der Jugendlichen, die ein Studium beginnen, steigt.

Gleichzeitig sind weniger Schulabgänger als bisher auf einen Vollzeitplatz an der Berufsschule angewiesen, weil vermehrt Jugendliche einen Ausbildungsplatz finden und damit ihre Zeit zwischen Betrieb und Berufsschule teilen. Die Region will mit ihren Plänen auch auf den wachsenden Bedarf an Sozial- und Pflegeberufen reagieren und Schüler ohne Schulabschluss stärker in Kleingruppen fördern.

Konkret schlägt die Regionsverwaltung vor, auf das Hauptgebäude der Berufsbildenden Schule 3 (BBS) am Waterlooplatz zu verzichten und das Berufliche Gymnasium Wunstorf an die BBS Neustadt zu verlagern. Die drei Umland-BBS in Neustadt, Burgdorf und Springe sollen wegen der Wohnortnähe erhalten bleiben, Außenstellen stehen dort aber zur Diskussion. Die Region will die gemietete Multimedia-BBS an der Expo-Plaza langfristig weiter nutzen. „Das Gebäude hat bei allen Mängeln eine ganz eigene Atmosphäre. Der Standort ist richtig, auch als Zeichen für die Expo-Plaza“, sagte Regionsschuldezernent Ulf-Birger Franz im Schulausschuss.

Das Gebäude der BBS 3 dagegen wird als stark sanierungsbedürftig eingestuft. „Kosten und Nutzen stehen in keiner Relation. Das bedeutet aber ausdrücklich nicht, dass wir die Schule aufheben wollen“, sagt Franz. Es müsse ein neuer Ort gefunden werden. Die BBS 3, in der Berufe am Bau gelehrt werden, gehört jetzt zum Berufsschulzentrum am Waterlooplatz. Ein möglicher Abriss des Gebäudes weckt offenbar bereits Begehrlichkeiten. Franz berichtete, es gebe Interesse der Nachbarschulen, auf dem Areal eine Aula, eventuell auch mit Gruppenräumen, zu bekommen.

Auf das Gebäude der BBS 3 sind allerdings erst vergangenes Jahr für 1,5 Millionen Euro aus dem Konjunkturpaket II drei kleine Häuser aufgesetzt worden. Die Berufsschüler experimentieren in dem „Lehrzentrum für energieintensive Bau- und Gebäudetechnik“ auf praktische Art mit umweltverträglichem Bauen. BBS-3-Leiter Ulf Erdmann verweist darauf, dass seine Schule diese Einrichtung als „Kompetenzzentrum“ mit der benachbarten BBS Metalltechnik Elektrotechnik betreibt. Die dort ausgebildeten Fachleute für energetische Sanierung würden dringend gesucht.

Das Gebäude des Beruflichen Gymnasiums Wunstorf gilt ebenfalls als abgängig. Bernward Schlossarek (CDU) fordert jedoch belastbare Aussagen zum Zustand beider Schulen. Lehrervertreter Ernst Barkhoff kritisiert, die Faktenlage an den einzelnen BBS-Standorten sei noch unklar. „Die Schülerentwicklung in Hannover und dem Umland ist sehr unterschiedlich.“ Barkhoff geht davon aus, dass Überkapazitäten eher im Umland bestehen – wo die Region die BBS aus politischen Gründen aber erhalten will. Franz bestätigte, dass die Schülerzahlen dort stärker sinken. „Bei einer Neuordnung können wir aber ausgleichend wirken und wie zuletzt Bildungsgänge ins Umland verlagern.“

Die Verwaltung hat ihre Vorschläge den Regionspolitikern zur Entscheidung vorgelegt. Sie sollen den Rahmen vorgeben für eine Arbeitsgruppe mit BBS-Leitern, Kammern und Landesschulbehörde, die bis Mitte 2014 das neue Berufsschulkonzept ausarbeitet.

Gerd Graeber, Elternvertreter im Schulausschuss, sieht für die Zukunft des Beruflichen Gymnasiums Wunstorf schwarz, sollte es nach Neustadt verlegt werden. Bisher kämen viele Schüler aus Wunstorf. „Die BBS Neustadt ist mit 3000 Schülern ein Moloch.“ Dezernent Franz hält das Pendeln in eine Nachbargemeinde jedoch für zumutbar. Ein längeres Verschieben der Entscheidungen lehnt der Schuldezernent ab. „Es muss klar werden, welche Gebäude wir nicht weiter ausrüsten.“ Aktuell gehen noch 37 600 Schüler auf die Berufsschulen der Region. Bis 2025 soll die Zahl weiter sinken, voraussichtlich um 15 Prozent.

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