Prozessbeginn bei Organspende-Skandal

Register soll Vertrauen bei Organspende schaffen

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Foto: Das Vertrauen in Organspenden in Deutschland ist nach diversen Skandalen noch immer getrübt.

Göttingen - Der Organspende-Skandal löste bundesweit Empörung aus. Vor einem Jahr wurden die Machenschaften eines Göttinger Arztes bekannt. Er soll Daten gefälscht haben, um seine Patienten zu bevorzugen. Das Vertrauen in die Organspende sank. Im August beginnt der Prozess.

Ein Jahr nach Bekanntwerden des Organspende-Skandals am Göttinger Universitätsklinikum fehlt den Menschen in Deutschland das Vertrauen in die Organspende. Rainer Hess, Chef der Deutschen Stiftung Organtransplantation, hofft auf die Einführung des geplanten Transplantationsregisters. Damit werde transparent, mit welcher Qualität in Deutschland Organe entnommen und eingesetzt werden. „Ich glaube, dass damit eine neue Vertrauensbasis geschaffen wird“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte dagegen, dass „die entscheidenden Schritte zur Reform der Organspende noch nicht getan“ sind, wie Vorstand Eugen Brysch sagte. Auch wenn Ärzten mittlerweile Strafen drohten, wenn sie Wartelisten für Organspenden verdrehten, sei das System zur Organ-Vergabe noch immer undurchsichtig: Schwerkranke auf der Warteliste hätten kein Recht darauf, zu erfahren, auf welchem Platz sie stehen. Hinzu komme, dass die Überprüfung der Transplantationszentren sehr lange dauere.

Am 19. August beginnt der Prozess gegen den früheren Chef der Transplantationsmedizin der Uniklinik Göttingen. Der 46-Jährige muss sich nach Angaben des Landgerichts Göttingen wegen versuchten Totschlags in elf Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung mit Todesfolge in drei Fällen verantworten.

Laut Anklage meldete der Arzt planmäßig falsche Daten von Patienten an Eurotransplant. Dadurch seien diese auf der Warteliste für Spenderlebern nach oben gerückt. Andere Patienten hätten so kein Spenderorgan bekommen und seien deshalb möglicherweise gestorben.

Vor einem Jahr, am 20. Juli, war der Organspende-Skandal mit dem Göttinger Fall ins Rollen gekommen. Der Arzt sitzt seit Januar in Untersuchungshaft.

Nach Göttingen waren auch Auffälligkeiten bei Organspenden in Regensburg, am Leipziger Uniklinikum und am Münchner Klinikum Rechts der Isar festgestellt worden.

„Vergleichbare Fälle sind vor Gericht noch nicht verhandelt worden“, sagte Göttingens Gerichtssprecherin Cornelia Marahrens zu dem im August beginnendem Verfahren. Vor dem Landgericht würden jedoch nur die Verdachtsfälle aus Göttingen verhandelt. Gegen den Mediziner wird auch in Regensburg ermittelt. Dort hatte er vor seiner Zeit an der Göttinger Uniklinik als Arzt am Universitätsklinikum gearbeitet. Die Anklage umfasst 156 Seiten. Das Gericht hat zunächst 22 Verhandlungstage angesetzt.

In dem geplanten Register sollen alle Transplantationen erfasst werden. Die Daten können dann auch Auskunft über die Qualität der Transplantationszentren geben. Politisch auf den Weg gebracht werden kann es frühestens in der kommenden Legislaturperiode.

Im Vergleich zum Vorjahr gibt es 18,3 Prozent weniger Organspender: Von Januar bis Juni 2013 sind es 459 gewesen, gut 100 weniger als im Vorjahreszeitraum (als es 562 waren). Außerdem haben die Ärzte weniger transplantiert: Im ersten Halbjahr 1686 Mal. Das ist ein Rückgang von 12,3 Prozent. Gleichzeitig stehen 12 000 Patienten auf den Wartelisten für Spenderorgane.

dpa

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