Übergrößen auf der Fashion Week

Revolution in New York

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Auf der Fashion Week wird erstmals Mode in Übergrößen gezeigt.

New York - Premiere auf der New Yorker Fashion Week: Erstmals in der fast siebzigjährigen Geschichte der Modewoche sind Models in Übergrößen-Kleidung über den Laufsteg gegangen. Die Kollektion der 41-jährigen, selbst molligen Designerin Eden Miller wurde in der Nacht zu Sonnabend mit Applaus und Jubelrufen gefeiert.

„Das ist ein großer Schritt für Übergrößen im Allgemeinen und mich im Besonderen“, sagte Miller nach der Show. Susan Scafidi, Professorin am New Yorker Fashion Law Institute, sprach von einem „historischen Moment“. Ihr Institut hatte Eden und ihre „Cabiria“-Kollektion für eine Nachwuchs-Show ausgewählt. Miller hatte lange als Kostümbilderin für Theater und Film gearbeitet, bevor sie begann, ihre eigene Mode zu entwerfen.

Der Präsentation von Millers meist knielangen wild gemusterten oder mit Flower-Prints verzierten Kleidern in New York war eine jahrelange Debatte um Magermodels in der Modeszene vorausgegangen. Nachdem im Februar 2007 ein 21-jähriges Model aus Brasilien an den Folgen der Magersucht starb, legten sich in Frankreich, Italien, Spanien, Deutschland und Israel Modeverbände Selbstverpflichtungen auf, um stark untergewichtige, minderjährige Models von den Laufstegen zu verbannen. Die deutsche Frauenzeitschrift „Brigitte“ arbeitete zwischenzeitlich gar nicht mehr mit professionellen Models. In anderen Magazinen und auf den Laufstegen der Welt zeigten und zeigen jedoch auch weiterhin sehr schlanke und auch spindeldürre Frauen die neusten Modekreationen.

Designer wie zum Beispiel Karl Lagerfeld, die letztendlich über die Auswahl der Models für ihre Schauen entscheiden, nahmen in der Debatte eine unentschiedene Haltung ein. So ließ Lagerfeld zwar die stark übergewichtige Popsängerin Beth Ditto über den Laufsteg stolzieren, sagte aber auch: „Da sitzen dicke Muttis mit der Chipstüte vorm Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich.“ Die Modewelt stehe für „Träume und Illusionen“. Runde Frauen wolle da niemand sehen. Immerhin wird mittlerweile aber wahrgenommen, dass es dieses runden Frauen nun einmal gibt. Bereits im Juli hatte während der Berliner Fashion Week die „Curvy is sexy“-Messe stattgefunden. Dort zeigte unter anderem Anja Gockel Entwürfe für mollige Modebwusste.

In New York wurde am Wochenende freilich nicht nur über Eden Miller diskutiert. Ihre Kollektionen präsentierten unter anderem auch die Designer Prabal Gurung, Alexander Wang und Hervé Léger. Kenneth Cole lud zur Schau in einen ehemaligen Fabrikraum. Grün, Weiß, Schwarz und Orange sind für den Top-Designer die Farben des kommenden Frühjahrs, dazu ausgefallene Schuhe. Bei den Schauen und Partys ließen sich unter anderem die „Girls“-Schauspielerinnen Allison Williams und Zosia Mamet, der Rapper Kanye West, Lady Gaga und Sarah Jessica Parker blicken.

Auch zwei deutsche Jung-Designerinnen stellten ihre Kollektionen vor. Brigitte Sievering zeigte elegante Abendkleider und Katrin Zimmermann ihre aus Einzelstücken bestehende Schmucklinie. Die Modewoche in New York dauert noch bis zum Donnerstag. Mit Spannung erwarten Modejournalisten unter anderem noch die Schauen der US-Top-Designer Ralph Lauren, Tommy Hilfiger und Calvin Klein.

Lisa-Maria Hagen 
und Christiane Eickmann

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