Konditor aus New York erfindet Cronut

Rezeptur des Kreises

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Foto: Für dieses Gebäck stehen manche Leute stundenlang an.

New York - Halb New York leckt sich die Finger nach einem neuen Trend: Für das Gebäckstück „Cronut“ stehen viele Stunden an – und so mancher verkauft die süßen Kringel teurer weiter.

In New Yorks Szenestadtteil Soho blüht das Schwarzmarktgeschäft. Nicht etwa mit Kleidern der Modemarke Chanel, die ihren Sitz nur 50 Häuser entfernt hat, wird hier unter der Hand gehandelt. Stattdessen verkaufen New Yorker seit Mitte Mai runde, gezuckerte Gebäckstücke weiter, für die sie zuvor Stunden vor einer Bäckerei angestanden haben.

So manchem ist der sogenannte „Cronut“ – eine Kreuzung aus Donut und Croissant – 40 US-Dollar wert. Für fünf Dollar verkauft ihn der französische Konditor Dominique Ansel in seiner Backstube. Ein lukratives Geschäft mit einer Süßigkeit, die Ansel selbst erfunden hat und die in New York zurzeit jeder haben will. Die Stadt hat einen neuen Trend, über den weltweit berichtet wird.

Nicht zuletzt dank einer cleveren Vermarktung.Ansel lässt nicht mehr als 250 Stück am Tag herstellen. Und die sind jeden Morgen schnell vergriffen. Die kleine Bäckerei an der Spring Street öffnet um 8 Uhr ihre Türen. Dann stehen bereits Hunderte Menschen in der Schlange vor dem kleinen Laden. Sie sitzen auf Decken, manche haben Stühle mitgebracht. Sie lesen ein Buch oder hören Musik. Wer einen Cronut will, muss Zeit mitbringen.Auch ein junges Ehepaar aus Manhattan war geduldig. Eine Mitarbeiterin hält ihnen die Tür auf, sie stellen ihren Kinderwagen ab und verschwinden mit ihrer kleinen Tochter in der Bäckerei.

Mit sechs Cronuts verlassen sie den Laden wieder – dabei sind eigentlich nur zwei Stück pro Kunden erlaubt. „Meine zweijährige Tochter Grace hat auch zwei gekauft“, erklärt Vater Bryan Doxford. Stolz ist er darauf, und seine Frau Emily Larsen Doxford hält den Moment mit der Kamera fest, während noch immer dutzende in der Schlange stehen. Der Kampf um einen Cronut ist eben kein leichter.„Zwei Stunden vor Eröffnung sollte man schon da sein, damit man einen bekommt“, sagt Ansel, der sich jede Woche mit seinen Chefs trifft und ihnen neue Kreationen vorstellt. Fragt man Ansel, was ein Cronut ist, betont er, dass der Kringel nicht einfach nur ein frittiertes Croissant in Form eines Donuts ist. Der Teig ähnelt zwar dem eines Croissants, doch ist er nach einem anderen Rezept hergestellt. Der Teig wird zum Kringel geformt, in Traubenkernöl frittiert, in Zucker gerollt und mit einer Creme gefüllt. Zum Schluss verziert ihn Ansel noch mit einer süßen Glasur.

Der Konditor weiß, dass er nicht der erste ist, der einen Blätterteig frittiert hat, doch Name und Rezept sind seine Idee. Genauso exklusiv wie der Name des Kringels ist auch seine Vermarktung. Zwar sei Ansel vom Erfolg des Cronuts noch immer überrascht, dennoch weiß er sein exquisites Gebäck gut in Szene zu setzen. Verpackt wird der Teigkringel in goldfarbenen Pappboxen, die wie eine Handtasche getragen werden können.Wie es mit dem Cronut weitergeht, vermag Ansel nicht zu sagen. „Wir versuchen alles, ihn weiterhin köstlich schmecken zu lassen“, sagt der Konditor. Und wenn sich der Hype um den Kringel legt? Das sei okay für ihn, sagt er.

Denn das eigentliche Ziel seiner Bäckerei ist es ja nur, „leckeres Gebäck herzustellen und neue Kreationen zu zeigen“.Weltweit wird der Cronut schon kopiert. Auf Blogs tauschen sich die Menschen über das richtige Rezept aus. In Erlenbach bei Heilbronn hat sich bereits ein Bäcker an einem versucht. Er nennt seine Kreation „Don Crons“. Bis sich noch mehr am Cronut probieren, scheint es nur eine Frage der Zeit.Ob der Blätterteigkringel dem Künstlerviertel Soho seinen Stempel aufdrücken kann, wie einst die Künstler selbst, ist zweifelhaft. Doch ins Museum hat er es schon geschafft. Ansel hat den Cronut in den „Rain Room“ mitgenommen, einen Raum im Museum of Modern Art. Gegen das Licht fotografiert, umgibt eine schier göttliche Aura das Gebäck. Hochgeladen hat Ansel das Foto auf Twitter – für alle auf der Welt sichtbar.

Felix Klabe

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