Osnabrück

Rolf Kaisers Riesling – Wein aus Niedersachen?

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„Leicht und filigran“: Rolf Kaiser in seinem Weinberg.Remmers

Osnabrück - Im Osnabrücker Land stehen tatsächlich Rebstöcke: Der Weinhändler Rolf Kaiser produziert am Holter Berg seinen eigenen Tropfen - einen Riesling.

So langsam wird es Zeit für Rolf Kaiser. Seit gut 20 Jahren bewirtschaftet er einen Weinberg nur wenige Kilometer von seinem Heimatort Osnabrück entfernt. Immer noch liegt etwas Schnee auf den Rebstöcken. Und eigentlich wäre Kaiser längst dabei, die Reben am Hang nördlich des Teutoburger Waldes zurückzuschneiden. „Drei Vormittage wird das etwa dauern“, sagt der gelernte Historiker. Jedoch droht der Frost immer noch die jungen Triebe am Weinstock abzutöten.

„Hobbywinzer“, diesen Titel hört Rolf Kaiser nicht gerne. Der Mann ist Profi, und das nicht nur, weil er in Osnabrück seit 30 Jahren einen Weinhandel betreibt mit dem vielsagenden Namen „Veritas“, was nichts anderes als Wahrheit bedeutet. Zwei Jahrzehnte mit reichlich Arbeit im eigenen Weinberg haben aus dem Händler einen Experten auch für den Anbau der Rebstöcke gemacht. „Mir macht ein Winzer nicht mehr so schnell etwas vor“, sagt Kaiser. Seinen eigenen Riesling beschreibt er als „leicht und filigran, mit wenig Alkohol zwischen zehn und elf Prozent und einer dezenten feinen Fruchtigkeit“. Sogar eine für den Riesling typische „gewisse Basismineralität“ macht der Winzer aus dem Osnabrücker Land in seinem Wein aus. „Da schmeckt man den Sandstein meines Weinbergs durch.“

Diese Anbaufläche liegt am Holter Berg, gleich in der Nachbarschaft des idyllischen Kirchdorfes Holte zwischen Osnabrück und Melle. In den siebziger Jahren hatte Rolf Kaiser dort während seines Zivildienstes das Wohnheim der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück kennengelernt. Das Haus hatte einen großen, alten Obstgarten mit einer freien Wiese. „Der Bauer von nebenan fuhr immer im Unterhemd seinen alten Trecker“, erinnerte sich Kaiser an den sonnigen Platz bei Holte, als er Anfang der neunziger Jahre nach einer passenden Fläche für sein Weinbauprojekt suchte. Der Hang neben dem Wohnheim war ideal: „Hoch gelegen, Südhang, steil, nach Osten und Norden total geschützt, nach Süden offen, mit leicht lehmigem Sandboden und in der Tiefe Sandstein.“ Und für Kaiser mindestens so wichtig: „noch nie gespritzt oder gedüngt, unglaublich“.

Kaiser wollte beim Weinanbau vollkommen auf Spritzmittel und Kunstdünger verzichten. Professionelle Winzer winkten ab, nannten das Vorhaben „völlig unmöglich“. Doch das reizte den Weinhändler aus Osnabrück noch mehr. Sein Vorteil war es, dass er wirtschaftlich nicht auf die Erträge seines Weinberges angewiesen war. 1992 endlich konnte Kaiser den Pachtvertrag mit dem Eigentümer des Gartens abschließen und zusammen mit Freunden 250 Rebstöcke pflanzen. Nach einigen Experimenten 1997 folgte die erste richtige Weinlese mit mehr als 60 Grad Oechsle Mostgewicht. Die geernteten Trauben füllten gerade einmal eine Kofferraumfläche. „An der Mosel war das ein Qualitätswein“, sagt der Osnabrücker Winzer vom Holter Berg.

von Bernhard Remmers

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