Hunde mit Handicap

Rolli anschnallen - Gassi gehen

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Geht doch: Kleine Hindernisse sollen das Koordinationsvermögen der Hunde schulen.

Uelzen - Sie können nicht mehr gut laufen, haben Sehprobleme: auch Hunde werden älter und gebrechlich, Manchmal hilft nach einem Unfall nur noch der Rolli. Ein Uelzener Verein fördert diese Tiere – und bereitet sogar „Paralympixx“ für die Vierbeiner vor.

Ein Wackelbrett, ein Steg, eine Brücke ... Man könnte an einen gewöhnlichen Hunde-Parcours denken. Doch es sind besondere Hindernisse, die Monika Kielmann aufgebaut hat. Die 45-Jährige in Bohlsen bei Uelzen und ihr Verein für „Handicap-Hunde“ und „Hundesenioren“ fördern Tiere, die nicht sicher auf den Beinen sind. Nächstes Jahr wollen sie dort sogar „Paralympixx“ veranstalten, einen sportlichen Wettstreit für gebrechliche Hunde.

Die gelernte Krankenschwester Monika Kielmann wechselte ihren Job nach einer Hüftoperation. Heute ist sie Tierphysiotherapeutin. Dabei habe sie schnell gemerkt: „Alte und behinderte Hunde bleiben auf der Strecke.“ Obwohl die Besitzer selbst sich nach Unfällen, Krankheiten oder Operationen der Tiere fragten, wie es weitergehen soll, sei das noch ein Tabuthema. Viele trauten sich nicht in die Öffentlichkeit mit ihren nicht mehr so fitten Hunden.

Mit dem Verein „Starke Handicap-Pfoten“ gingen Kielmann und Freundin Beatrix Müller in die Offensive. Auch im eigenen Alltag: Aus Tierheimen holten sie Schäferhündin Malika, die fast von einem Zug überrollt worden war, und Mischling Callas, der bei einem Lastwagenunfall Beinbrüche davontrug. Beide Tiere sind auf Rollwagen angewiesen. Leuten, die darüber die Nase rümpfen, sagt die Tierphysiotherapeutin: „Schaut den Hunden in die Augen, bevor ihr urteilt.“

Die „tierischen Mitglieder“ des Vereins haben sichtlich Spaß daran, sich jeden Dienstagabend auf dem Parcours in einer Reithalle zu bewegen. Schäferhündin Malika springt schon freudig bellend ihre Besitzerin an, wenn diese den Mini-Rolli zum Auto trägt. In der Halle geht es, nachdem sich die Hunde ein wenig ausgetobt haben, eher geruhsam zu. Vorsichtig führen Herrchen und Frauchen ihre Schützlinge über den Parcours. Die Hindernisse hat Kielmann zusammen mit einem Tischler an die Bedürfnisse der geh- oder sehbehinderten Tiere angepasst: die Hürden niedrig, der Tunnel breit. Der gesundheitliche Nutzen ist ihr wichtig: „Muskeln werden aufgebaut und die Koordination geschult.“ Ein verbesserter Gleichgewichtssinn könne Stürze verhindern.

In diesem Sinn will der Verein im Frühjahr kommenden Jahres rund um die Halle die ersten niedersächsischen „Paralympixx“ organisieren, wie andernorts zuvor schon erprobt. Startgelder und Spenden des Hinderniswettbewerbs werden für einen „Glückshund“ gesammelt, der dann eine Prothese oder einen Rollwagen spendiert bekommt. Passende Hilfsmittel, sagt Kielmann, seien bisher schwer zu bekommen gewesen. In einem Uelzener Sanitätshaus habe sich nun ein Orthopädietechniker gefunden, der mit den Hunden speziell eine Anprobe macht.

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