Ehestreit

Rosenkrieg beim Bischof

Osnabrück - 10.000 Euro Strafe muss ein Mann aus dem Kreis Osnabrück zahlen: Er hatte in einem Brief an das Bistum Osnabrück über seine Ex-Frau gelästert - obwohl ihm die üble Nachrede zuvor gerichtlich untersagt worden war.

Keine Frage, das Verhältnis war zerrüttet. Hässliche Worte müssen gefallen sein. Die zivile Ehe war zwar schon lange geschieden, doch das reichte einem Mann aus dem Kreis Osnabrück noch nicht. Er wollte die Vermählung auch vor Gott annulliert wissen, also nach katholischem Verständnis für niemals existent erklären lassen. „Mein Mandant wollte reinen Tisch machen“, sagt der Anwalt. Das Ehenichtigkeitsverfahren beim Bistum Osnabrück ist den Katholiken nach einem weltlichen Richterspruch nun teuer zu stehen gekommen: Das Landgericht Osnabrück verurteilte ihn am Freitag zu einer Vertragsstrafe von 10.000 Euro.

Kostspielig gemacht hat den Rosenkrieg ein Brief an den Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode. In dem Schreiben hat der frühere Ehemann wohl wenig schmeichelhafte Worte über seine frühere Gattin gefunden. „Ziemlich vom Leder gezogen“ habe er, sagte am Freitag ein Sprecher des Landgerichts. Es sei um den „unmoralischen Lebenswandel“ der Frau gegangen. Darüber hinaus, heißt es, beklagte sich der Katholik bei seinem Bischof über weitere menschliche Schwächen der Frau: Sie habe den Sohn schlecht behandelt und sich nie um die Schwiegermutter gekümmert.

Dergleiche Vorhaltungen werden wohl in manchen Ehen ausgetauscht. Nicht immer werden gleich Vertragsstrafen fällig. In diesem Fall aber hatte der Mann sich in einem gerichtlichen Vergleich mit seiner Ex-Gattin verpflichtet, nicht mehr so hässlich über längst vergangene Zeiten zu sprechen. Geschlossen wurde der Vergleich im Laufe des Jahres 2011 vor dem Amtsgericht in Bad Iburg.

Anfang 2012 dann wandte sich der Mann an das Bistum Osnabrück. Er strengte das Ehenichtigkeitsverfahren an. Doch sein Begehren, die Ehe zu tilgen, wurde vom Bischöflichen Offizialat, dem kirchlichen Gericht des Bistums, zurückgewiesen. Damit wollte der Mann sich nicht zufriedengeben und wandte sich mit einer Beschwerde an Bischof Bode, den obersten Richter im Bistum. Der gab den Fall zurück ans Kirchengericht zur Entscheidung. Es blieb dabei: Aus der vor Gott geschlossenen Verbindung kam der Mann nicht raus.

Ein weiterer Brief an Bischof Bode wurde dem Mann dann zum Verhängnis. Das Argument des Beklagten, er habe sich an den Bischof als Beschwerdeinstanz gewandt, zog nicht vor dem Landgericht Osnabrück. Denn das Kirchengerichtsverfahren war nach der erneuten Begutachtung durch das Offizialat abgeschlossen. Solange es noch im Gange war, erläutert der Sprecher des Landgerichts Osnabrück, fielen die heftigen Worte des Mannes über seine Ex-Frau unter die Wahrnehmung berechtigter Interessen - schließlich musste er ja begründen können, warum die Eheschließung von Beginn an ungültig sein sollte. Im zweiten Brief aber war das Verfahren beendet, und der Bischof wurde zu einem Jedermann - der Ex-Mann hatte sich aber verpflichtet, gegenüber Dritten nicht mehr schlecht über seine Frau zu reden.

Er werde nun mit seinem Mandanten besprechen, ob man Berufung beim Oberlandesgericht in Oldenburg einlegen werde, sagte am Freitag der Anwalt des Mannes.

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