Schließung in Gorleben

Ruhe im Schacht

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Foto: Ende des Hochbetriebs: In den Schächten des Salzstocks wird der Betrieb jetzt auf das Mindeste zurückgefahren.

Hannover - Wie geht es weiter in Gorleben? Wird der Salzstock geschlossen? Wie teuer war die Erkundung?Die HAZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Mehr als 35 Jahre lang galt Gorleben als das kommende Atommüllendlager Deutschlands. Jetzt ist Ruhe im Schacht – ein Blick auf die wichtigsten Fragen rund um eine hitzige Debatte. Wie wahrscheinlich ist es, dass Gorleben doch noch das zentrale Endlager für Atommüll in Deutschland wird? Mit dem Beschluss, das Planfeststellungsverfahren für Gorleben zu den Akten zu legen, ist die Wahrscheinlichkeit stark gesunken. Es gibt nach Aussage des niedersächsischen Umweltministers Stefan Wenzel jetzt keine rechtlichen Hintertürchen mehr, den Salzstock im Wendland weiter auszubauen. Allerdings ist im Endlagersuchgesetz, das Bundestag und Bundesrat beschlossen haben, festgesetzt, dass auch der Standort Gorleben einer neuen Betrachtung unterzogen wird. Zum Modell einer Endlagersuche auf einer „weißen“, noch unbeschriebenen Landkarte, so hieß es bislang, müsste man theoretisch auch Gorleben in Betracht ziehen. Die rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen, die Gorleben als Endlagerstandort ablehnt, hat diese hypothetische Möglichkeit jetzt etwas eingeschränkt. Bei einem totalen Wandel der politischen Mehrheitsverhältnisse wäre es auf längere Sicht allerdings immer noch möglich, dass Gorleben doch noch einmal ins Spiel kommt.

Was spricht für ein Endlager Gorleben? Seine schlichte Existenz. Es ist bislang das einzige in großen Teilen erkundete mögliche Endlager in Deutschland. Befürworter des Lagers betonen immer wieder, dass man den Salzstock Gorleben keineswegs mit dem maroden Salzstock des Atomendlagers Asse vergleichen könne, weil der Gorlebener Salzstock „unverritzt“ sei im Vergleich zum ehemaligen Salzbergwerk Asse. Sie führen auch an, dass selbst die frühere rot-grüne Bundesregierung bei ihrem im Jahr 2000 verhängten Moratorium der Gorleben-Erkundung niemals die geologische Eignung des Salzstocks bezweifelt habe. Gorleben-Kritiker hingegen bezweifeln immer wieder die Festigkeit des Deckgebirges des Lagers.

Was wurde bislang in Gorleben investiert? Eine Menge Bergmannskunst und -arbeit sowie etwa 1,6 Milliarden Euro. Die Standortentscheidung für die Erkundung des Salzstocks auf seine Eignung als unterirdisches Atommüllager fiel bereits 1977 – und ist seitdem hoch umstritten. Nach vorbereitenden Arbeiten begann die untertägige Erkundung mit dem Abteufen der beiden Schächte des Bergwerkes: im Oktober 1986 mit Schacht 1 beziehungsweise im April 1987 mit Schacht 2.

Was passiert jetzt in Gorleben? Erst einmal werden die Pläne zum Verschließen der Anlage entworfen und müssen vom zuständigen Landesbergamt genehmigt werden. Anfang kommenden Jahres können die Arbeiten zur vorübergehenden Schließung beginnen, wie der Berliner Staatssekretär Jochen Flasbarth gestern sagte. Die beiden Schächte sollen erhalten bleiben. Die 120 Beschäftigten haben durch die Umbauten für zwei Jahre Arbeit. Auch die hohen, mit Stacheldraht gesicherten Zäune sollen verschwinden.

Wo wird der Atommüll jetzt gelagert? Gorleben war gedacht für den hochradioaktiven, stark Wärme entwickelnden Müll. Bislang konnte dieser aber noch gar nicht in 840 Metern Tiefe gelagert werden, weil er zu heiß ist. Dennoch ist jetzt schon viel Atommüll nach Gorleben gebracht worden – mit den sogenannten Castortransporten, die das Wendland zeitweise wie eine Bürgerkriegszone wirken ließen. Die Castorbehälter wurden allerdings nicht in das mögliche Endlager verfrachtet, sondern in das 300 Meter entfernte Zwischenlager Gorleben, eine oberirdische Halle. Sie wird im Gegensatz zum Salzbergwerk auch künftig hoch gesichert bleiben. Viel Atommüll ist auch an den Kernkraftwerken in Deutschland zwischengelagert.

Wie geht die Suche nach einem möglichen Endlager weiter? Mit dem Endlagersuchgesetz ist der Suche eine 34-köpfige Kommission vorgeschaltet, die aus 16 Vertretern gesellschaftlicher Gruppen und der Wissenschaft sowie jeweils acht Vertretern des Bundestages und der Länder besteht, die aber kein Stimmrecht haben. Vorsitzende dieser Kommission sind die CDU-Politikerin Ursula Heinen-Esser und der SPD-Politiker Michael Müller. Die Kommission hat allerdings nicht die Aufgabe, einen Standort vorzuschlagen. Sie soll lediglich belastbare Kriterien erarbeiten, wie der am besten geeignete Standort ermittelt werden könnte. Sie soll darüber hinaus Anforderungen für die Öffentlichkeitsbeteiligung bei der Lagersuche erarbeiten. Mithilfe anderer Experten soll auch geprüft werden, ob es sinnvoll sein kann, anstelle einer unverzüglichen Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in tiefen geologischen Formationen andere Möglichkeiten für eine geordnete Entsorgung zu untersuchen. Dies soll bis 2016 geschehen.

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