Geschützte Tierart

Saatkrähen werden in Städten zur Plage

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Ein Schwarm in Schwarz: Saatkrähen leben in Kolonien, die in der Regel Hunderte Tiere umfassen. In Städten finden sie Futter und Nistmöglichkeiten.

Hannover - Saatkrähen machen sich in den niedersächsischen Städten immer mehr breit, doch die geschützte Tierart darf nicht vertrieben werden. FDP und CDU wollen jetzt eine Lockerung des Gesetzes, um die Plagegeister los zu werden.

Sie machten Dreck, sie machten Lärm, und sie raubten Rentner Klaus B. aus Achim (Kreis Verden) den letzten Nerv: Eine Kolonie von 250 Saatkrähen hatte sich in der Nähe seines Hauses niedergelassen. Töten wollte B. sie nicht, nur vertreiben, also baute der 75-Jährige sich eine Holzklappe, die laute Knallgeräusche machte. Er hatte damit Erfolg, scheuchte allerdings nicht nur die Krähen, sondern auch die beim Landkreis ansässige untere Naturschutzbehörde auf - und die untersagte B. das Vertreiben der streng geschützten Saatkrähen. Eine Klage gegen die Verfügung verlor der 75-Jährige.

CDU und FDP im Landtag wollen, dass Niedersachsen per Erlass verfügt, dass der strenge Schutz der Vögel gelockert wird. SPD und Grüne lehnten das gestern im Umweltausschuss des Landtags ab. Dabei seien die Saatkrähen längst nicht mehr vom Aussterben bedroht, sondern hätten sich im Gegenteil in den vergangenen 40 Jahren prächtig vermehrt, meint der umweltpolitische Sprecher der FDP, Gero Hocker.

In vielen Städten, vor allem in den Randgebieten, würden die schwarzen Vögel langsam zur Plage. Die Tiere würden nicht nur schon um 4 Uhr morgens mit ihrem Geschrei beginnen, sondern sie machten eben auch eine Menge Dreck. „Der Kot der Krähen ist sehr ätzend“ und könne deshalb Autolacke beschädigen, so Hocker. Im Grunde sei es die Schuld des Menschen, dass die Saatkrähe sich in immer mehr Städten ansiedele, sagte der Liberale. Hier finde sie mehr Futtermöglichkeiten und außerdem Nistplätze, von denen sie nicht verscheucht werden dürfe.

Der Naturschutzbund Nabu empfehle, Parkplätze für Autos zu sperren, damit nistende Krähen keine Autos verdrecken können, wundert sich Ernst-Ingolf Angermann (CDU) und meint: „Das kann nun wirklich keine Lösung sein.“

Der Schutz der Krähen sei nicht absolut, in Ausnahmefällen sei es bereits jetzt erlaubt, Krähen zu vertreiben, etwa wenn sie in der Nähe von Kindergärten, Krankenhäusern oder Altenheimen nisten würden, meint Hans-Joachim Janßen (Grüne). Außerdem sei der Bestand noch lange nicht so hoch, wie er vor 100 Jahren war. Martin Bäumer von der CDU konnte das nicht zufriedenstellen: „Einfach nur zu sagen: ,Wir können nichts tun’, wird den Sorgen der Menschen nicht gerecht.“

Schlaue Tiere

Krähen-Familie: Die Saatkrähe wird oft mit der Rabenkrähe verwechselt, die ebenfalls in den Städten und dort in großen Gruppen lebt. Die Saatkrähe ist etwas schlanker und hat ein metallisch glänzendes Gefieder. Unverwechselbar ist der Schnabel: Er ist nicht schwarz, sondern von einem hellen Grau. Die Saatkrähe sucht auf Feldern nach Essbarem, sie lebt von Insekten, Regenwürmern oder Schnecken.

Saatkrähen waren früher nach Angaben des Nabu durchaus als Schädlingsvernichter auf den Feldern geschätzt. Doch mit dem Einsatz von Pestiziden seien den Krähen häufig nur noch die Feldfrüchte selber als Nahrung geblieben, womit sie sich bei den Bauern unbeliebt machten.

Rabenkrähen gelten als sehr schlaue Tiere. Werden sie vertrieben, suchen sie sich in unmittelbarer Nähe einen neuen Nistplatz. In den Siebzigerjahren waren die Bestände auf 2500 Brutpaare in Niedersachsen gesunken und damit vom Aussterben bedroht. Mittlerweile gibt es wieder 23.000 Paare.

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