Traditionsverein

Die Salzsieder aus Soltau

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Foto: Wilfried Worch-Rohweder lässt Besucher beim Salzsiedeverein in Soltau das noch warme Salz kosten.

Soltau - In Soltau zischt und brodelt es neuerdings gewaltig. In einem Innenhof nahe der Hauptkirche St. Johannis sind ehrenamtliche Salzsieder am Werk. Auf traditionelle Art verdampfen sie, gleich neben ihrem eigenen Solebrunnen, über einem Holzfeuer Sole zu Speisesalz.

„Endlich kommt Soltau zum Zuge“, sagt der Vereinsvorsitzende Wilfried Worch-Rohweder. Einst habe Lüneburg mit seinem Monopol die Salzherstellung in der Kleinstadt verhindert, erläutert der Hobbysieder. Dabei führe Soltau mit „Sol“ das Salz schon im Namen.

Als Worch-Rohweder, im Hauptberuf Rechtsanwalt, das Gelände an der Bahnhofsstraße erwarb, wusste er noch nichts von seinem Schatz in 14 Meter Tiefe. In den Unterlagen entdeckte er dann, dass für das Grundstück ein noch geltendes Salzrecht bestand. Mit einem Wünschelrutengänger fand er die Stelle, wo seit vorchristlicher Zeit eine Solequelle gesprudelt hatte. Die Soltauer hatten einst die salzige Flüssigkeit aus dem unter der Stadt gelegenen Salzstock zum Haltbarmachen ihrer Fleisch- und Gemüsevorräte genutzt.

Worch-Rohweders Idee, sein Salzrecht zu nutzen, um ein altes Handwerk neu zu beleben, fand viele Freunde: 30 Männer und Frauen haben sich 2008 zum Verein Soltauer Salzsieder zusammengefunden. Den Solebrunnen über der historischen Quelle richteten sie mit einer Holzeinrahmung hübsch her. Anschließend bauten sie daneben aus Fachwerk und alten Backsteinen die Siedehütte, deren Stahlpfanne sie vor einigen Tagen mit Schnaps aus einem Gradierwerk offiziell „angossen“. Zum Sieden nutzen sie allerdings Sole, die von der nahen Soltau-Therme gefördert wird; die ist getestet und hygienisch einwandfrei. Den Großteil seines „Soltauer Salinensalzes“ erzeugt der Verein auch nicht hier über Buchenholz, sondern in der Nähe mit Wärme aus einer Biogasanlage. Sonst wären die Energiekosten zu hoch und das Salz würde zu teuer.

Ein Leinensäckchen mit „18 Lot“, etwa 315 Gramm, grobkörnigem Salz aus Soltau, kostet mit drei Euro schon jetzt deutlich mehr als Speisesalz aus dem Supermarkt. Dafür ist es naturbelassen. „Beim industriell gewonnenem Salz ist jedes Korn mit einem chemischen Schutzschild ummantelt, das vor Verklumpen schützt“, sagt der Vereinsvorsitzende. Dem Soltauer Salz fehle die handelsübliche „Rieselhilfe“, es nehme Feuchtigkeit auf - auch deshalb werde es nicht mit genauen Grammangaben verkauft. Das Salz ohne chemische Zusatzstoffe ist nach Ansicht der Vereinsmitglieder - und von Feinschmeckern weltweit - aromatischer und hinterlässt keinen bitteren Nachgeschmack.

Die Nachfrage ist denn auch so groß, dass die Vereinsmitglieder mit der zeitaufwändigen Herstellung nicht nachkommen. Auf Märkten, in Hotels und Touristenbüros der Region wird das Siedesalz angeboten. Bei Veranstaltungen wie dem Mauritiusfest der Soltauer Salzsieder am 2. und 3. Oktober oder während der Heideblüte in Wilsede können die Kunden die Sieder bei der Arbeit an großen Pfannen oder Kesseln beobachten. Einer der Ehrenamtlichen ist Thomas Pauksztat. Am neuen Siedehaus in Soltau zieht er vor Schaulustigen eine Holzschaufel durch die dampfende Sole. „Wenn das Wetter mitspielt, steigt gleich das feine Fleur de Sel an die Oberfläche“, sagt er. Der Luftdruck passt, und so kann Pauksztat den feinen weißen Film, die „Blume des Salzes“, abschöpfen. Das restliche Salz wird weiter gerührt und anschließend auf einem Rüttelsieb in Behälter für grobes und feineres Speisesalz sortiert. Der zum Sieben umgebaute Kartoffelsortierer wird dabei über eine Kurbel von Hand angetrieben. Was hinten herausfällt, wird Badesalz.

Zum Baden wird Soltauer Salinensalz schon länger im großen Stil genutzt. Seit 1990 betreiben die Stadtwerke das Freizeitbad Soltau-Therme. Die Stadtväter hatten sich des „weißen Goldes“ besonnen, das seit Millionen Jahren unter dem Heideboden schlummert. Zuletzt hatte ein Bürgermeister 1836 versucht, den unter der Erde schlummernden Schatz zu Geld zu machen. Damals schickten, wie der Verein der Salzsieder herausfand, die Lüneburger einen Spion, der die Sole begutachtete und als hochwertig einstufte. Aus Angst vor Konkurrenz bestanden die Lüneburger auf ihrem Monopol und sorgten dafür, dass Soltau sein Salz nicht vermarkten durfte.

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