Außereuropäische Instrumente

Sammler Rolf Irle schafft eine Welt aus Klängen

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Der private Sammler Rolf Irle kauft und tauscht seit mehr als 50 Jahren zumeist außereuropäische Instrumente.

Hannover - Er besitzt keine Stradivari, dafür aber 3000 andere Musikinstrumente. Der private Sammler Rolf Irle kauft und tauscht seit mehr als 50 Jahren zumeist außereuropäische Instrumente. Seine Sammlung wird mittlerweile in Hildesheim ausgestellt.

Eine tibetische Langtrompete, eine Beschneidungsglocke, Lauten, Fideln und Didgeridoos: Über 3000 Instrumente aus allen Teilen der Welt hat Rolf Irle in mehr als 50 Jahren gekauft, getauscht und geschenkt bekommen. Als ihm ein Schüler 1960 eine braune, bauchige Tongefäßflöte schenkte, entdeckte der ehemalige Lehrer aus Garbsen seine Sammelleidenschaft. Nach neun Jahren zählte Irles Sammlung bereits 200 Instrumente.

Schwerpunkte seiner privaten Sammlung liegen in Asien und im Nahen Osten. „Ich habe keine Stradivari und keine Flöte Friedrichs des Großen“, sagt der 77-Jährige. Denn Irle interessiert sich für die Instrumente der Völker, seine Sammlung besteht zum Großteil aus außereuropäischen Objekten. „Unter meinen Instrumenten ist keines, das nicht eine menschliche Lebenssache belegt. Sexualität, Tod, Geburt – alle Dinge werden mit Musik verbunden.“

Tabu-Instrumente aus Afrika

Außerdem hat Irle seltene Instrumente mit Menschen- und Tierdarstellungen aus Afrika gesammelt. Er zeigt ein Instrument, dessen Trommelstock die Form eines Penis hat. „Von diesen Tabu-Instrumenten haben wir keine Ahnung“, sagt Irle. In Afrika würden sie benutzt, wenn Mädchen und Jungen zu Beginn der Geschlechtsreife nicht miteinander in Kontakt kommen dürften. Hörten die das hölzerne Trommeln, wüssten sie, dass sie sich fernhalten müssten.

Weil Irle zu Hause nicht mehr genug Platz für die Instrumente hatte und er sie der Öffentlichkeit zugänglich machen wollte, werden sie seit 2009 im Center for World Music der Universität Hildesheim ausgestellt. „So ein Instrument ist zunächst schön als Objekt und großartig als Musikinstrument“, sagt Raimund Vogels, Professor für Musikethnologie an der Universität Hildesheim und der Musikhochschule Hannover. „Hinter dem Instrument stehen aber vor allem viele Geschichten über die Gesellschaft.“

Weltkulturerbe nicht nur Bach und Beethoven

Diese Geschichten würden helfen, Vorurteile gegenüber anderen Kulturen abzubauen. „Wir wollen das Bewusstsein einer sehr auf europäische Kultur verengten Öffentlichkeit weiten“, sagt Vogels. Schließlich machten den Großteil der Weltkultur nicht Bach oder Beethoven aus. „Wir haben eine Verantwortung für ein Weltkulturerbe und das ist genau unser Sammlungskonzept.“

Lars-Christian Koch vom Ethnologischen Museum in Berlin kennt die Sammlung von Rolf Irle. „Privatsammlungen entstehen aus einer ganz persönlichen Motivation heraus“, berichtet er. Das unterscheide sie von wissenschaftlichen Sammlungen, die etwa aus historischen Gründen und nicht aus einer Sammelleidenschaft entstehen. „Irle hat sehr weit gesammelt“, sagt Koch. „Sicherlich hat er das ab einem bestimmten Zeitpunkt aus pädagogischen Gründen gemacht.“

Irle nicht sammelmüde

Jedenfalls hat Irle nicht wahllos gesammelt. Mehr als 30 Aktenordner dokumentieren, dass er sich über jedes Instrument Informationen sucht und ganz spezifisches Wissen aneignet. Und müde ist Irle vom Sammeln keineswegs. Zu Weihnachten schenkte er sich einen Rasselfetisch, wie er in Afrika benutzt wird. Und er fügt hinzu: „Ich kann wohl mit Recht sagen, dass die Sammlung mit über 3000 Instrumenten die größte private Sammlung dieser Art ist.“

dpa

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