Provinzposse in Bad Münder

Sanierte Schule zu verschenken

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Niemand will sie: Die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule.

Bad Münder - Ein saniertes, großes Schulgebäude steht leer - und keiner möchte es haben. Im beschaulichen Bad Münder bei Hameln spielt sich derzeit eine lokale Posse ab.

Seit Wochen gibt es heftigen Streit unter den Kommunalpolitikern, begleitet von Elternprotesten, Bürgerversammlungen und flammenden Appellen in Resolutionen. Der Kreis Hameln-Pyrmont will das leer stehende Gebäude der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule an die Stadt verschenken. Doch die Politiker aus mehreren Ortsteilen lehnen das ab und organisieren Widerstand - denn sie fürchten, mit der Annahme des Geschenkes könne auf mittlere Sicht eine zentrale Grundschule entstehen, die dann drei kleine Grundschulen in den Ortsteilen gefährdet: „Stirbt die Schule, dann stirbt danach das Dorf“, heißt es.

Das ist ein Konflikt, wie er in Zukunft wohl häufiger in Niedersachsen auftreten wird: Da gibt es in Bad Münder, verteilt über 16 Ortsteile, vier kleine Grundschulen. Die Schülerzahlen sind bisher noch ganz ordentlich, aber irgendwann wird man auch hier die Geburtenflaute spüren. Die Schulgebäude sind alt und teilweise marode, und für die Inklusion, den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern, ist man nicht gerüstet. Es fehlen Aufzüge, es gibt zu viele Treppen. Ganz anders sieht es in der leeren Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule aus, in der vor der Gründung der KGS die Hauptschule untergebracht war: Das Gebäude ist sehr groß und bietet ausreichend Platz, Rollstuhlfahrer können überall leicht hinkommen - eigentlich ein idealer Standort für ein Grundschulzentrum. Doch gerade deshalb, weil das Gebäude zu gut geeignet ist und Grundschüler aus der ganzen Stadt aufnehmen könnte, rührt sich der Protest: „Wir wollen die Grundschulen in unseren Dörfern erhalten“, betont Rolf Wittich (SPD) aus dem Ortsteil Bakede, einer der eifrigsten Gegner des Schulprojektes und Wortführer des Protestes.

Ob Wittichs Linie am Ende Erfolg hat? Der Rat der Stadt stimmt heute Abend endgültig ab, und die Ansichten in den Fraktionen sind geteilt, vor allem in der SPD. Wittich argumentiert jetzt mit dem Sparzwang: Bad Münder müsse kürzertreten, der mit dem Land geschlossene „Zukunftsvertrag“ zwinge zu strikter Haushaltsdisziplin. Wenn die Stadt aber das Geschenk des Landkreises annehme, müssten in die Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule trotzdem noch 4,7 Millionen Euro gesteckt werden - für den Brandschutz und für die angrenzende Turnhalle. Wenn man dagegen auf dieses Projekt verzichte, bleibe als Alternative die Sanierung der bisherigen, viel kleineren Grundschule in der Kernstadt von Bad Münder - ein Gebäude mit gravierenden Baumängeln. Dieses Vorhaben komme unterm Strich auf 3,7 Millionen Euro - ist also eine Million günstiger. Doch bei näherer Betrachtung ist das eine Milchmädchenrechnung: Bei einer Sanierung der alten Kernstadtgrundschule könnten dort nur die Kinder der Kernstadt unterrichtet werden, die Chance für eine gemeinsame Grundschule für ganz Bad Münder gäbe es wohl nur mit der größeren Lösung, der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Schule. Aber dafür zeichnet sich keine Mehrheit ab.

„Für die Grundschulen in den Dörfern brauchen wir künftig auch Investitionen, deshalb dürfen wir uns hier nicht verausgaben“, sagt Wittich. Die CDU-Ratsfrau Petra Joumaah, Ortsbürgermeisterin in der Kernstadt, findet das Angebot des Kreises verlockend und versteht nicht, warum die Gegner so verbissen sind. „Wir haben hier doch schon die Barrierefreiheit, die wir in Zukunft in allen Schulen sicherstellen müssen“, betont sie. Bad Münders Bürgermeister Hartmut Büttner (SPD) schlägt sich auf Wittichs Linie und sagt: „Eine gemeinsame Grundschule für die Stadt mit 500 Kindern ist für viele bei uns eine Horrorvorstellung.“ Für ihn sei es erstrebenswert, neben mittelgroßen auch viele ganz kleine Grundschulen anzubieten: „Das ist ein bisschen heile Welt in der ländlichen Gegend.“

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