Deutsche fahren gerne Auto

Schatz, fahr’ du mal!

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Freihändig fahren mit Autopilot – für Autos mit Conti-Technik keine Zukunftsvision mehr.

Hannover - Die Deutschen und ihr Auto: Es ist eben doch Liebe. Zwei von drei Bundesbürgern macht das Autofahren Spaß – und fast genauso viele halten sich übrigens auch für einen „sehr guten Fahrer“. Das hat eine Studie im Auftrag von Continental ergeben, bei der mehr als 5000 Menschen in sieben Ländern befragt wurden.

Keine Nation fährt so gern Auto wie die Ur- und Ururenkel von Carl Benz. Dass ausgerechnet diese Deutschen bald die Macht über das Lenkrad abgeben könnten, mag man sich da nicht vorstellen. Und tatsächlich: Ein vollautomatisch fahrendes Auto macht der Mehrheit (52 Prozent) der Bundesbürger Angst. Fast jeder Zweite (48 Prozent) glaubt zudem nicht daran, dass eine solche Technologie funktionieren wird. Dahinter steht freilich die gesunde Skepsis einer Innovation gegenüber, die man im Sinne des Wortes selbst noch nicht erfahren konnte.

Doch das Auto mit Autopilot ist längst keine ferne Zukunftsmusik mehr. Die Industrie hat schon diverse Prototypen im Einsatz. Continental arbeitet mit BMW an Testwagen, die im kommenden Jahr hochautomatisiert über die Autobahn und europäische Ländergrenzen hinweg fahren sollen – mit bis zu 130 Stundenkilometern und zwei Ingenieuren an Bord, die nur im Fall der Fälle eingreifen. Sensoren, Kameras und die richtige Software in den Fahrerassistenzsystemen machen es heute schon möglich, im Stop-and-go-Verkehr freihändig zu navigieren. Schon 2020 soll die Technik so weit sein, dass der Fahrer nur noch eingreifen muss, wenn das Auto selbst gerade nicht mehr weiterweiß. Das Gros der Strecke könnte der Fahrer Kinder bespaßen, Zeitung lesen oder E-Mails schreiben.

„Das wird der Bahn ein Alleinstellungsmerkmal wegnehmen“, gab sich Conti-Manager Christian Senger überzeugt. Denn das Auto der Zukunft könne etwas bieten, was vielen Reisenden im Zug fehle: Privatsphäre. So werde das automatisierte Auto der Branche neue Wachstumsperspektiven in etablierten Märkten wie Europa bieten – weil es neue Kunden erschließe. Drei von vier Deutschen könnten sich der Umfrage zufolge auf der Autobahn vorstellen, die Verantwortung an den Autopiloten abzugeben – weniger in der Stadt oder auf Landstraßen. Hier erscheinen ihnen die Herausforderungen dann doch zu komplex.

Vielschichtig sind auch die Herausforderungen an Industrie und Gesetzgeber. Die Branche muss die Autos vernetzen – untereinander und mit Rechenzentren –, damit sie wirklich vorausschauend fahren können. Die Regierungen müssen einen Rechtsrahmen für Fahrzeuge mit Autopilot schaffen – unzählige Schuld-, Haftungs- und Versicherungsfragen wollen geklärt sein, bevor man die Autos wirklich in Massen auf die Straßen lassen wird. Es kann durchaus sein, dass Politiker und Juristen für diese Fragen wieder einmal mehr Zeit brauchen werden als die Ingenieure für die Technik.

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