Hochgiftige Tiernahrung

Schimmelpilz: Der neue Schock für die Agrarbranche

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Hochgiftiges Maisfutter aus Serbien auf niedersächischen Bauernhöfen.

Hannover - Pferde- statt Rindfleisch, Mogel-Eier und nun Schimmelpilzgift im Tierfutter: Für Lebensmittelhersteller, Verbraucher und Bauern gibt es seit Tagen Hiobsbotschaften. Nun geht es um Schimmelpilz.

Für Verbraucher gibt es derzeit keine Atempause. Pferdefleisch in Hackklößchen oder Lasagne und Schummel-Eier: Nun dürfte die nächste Hiobsbotschaft aus der Landwirtschaft die Konsumenten weiter verunsichern. Tausende Tonnen mit Schimmelpilz befallener Futtermais könnte Kuhmilch vergiftet haben. 10 000 Tonnen wurden in Niedersachsen verarbeitet und deutschlandweit geliefert. In den Ställen der Höfe könnte das krebserregende Gift in den Trögen gelandet sein. An eine Gefahr für die Verbraucher glaubt man dennoch nicht.

Waren noch am Donnerstag im Bundestag raschere Informationen beim Etikettenschwindel bei Lebensmitteln verabschiedet worden, müssen schon neue Krisenszenarien diskutiert werden. Noch am Freitag wollten Bund und Länder in einer Telefonkonferenz über den Schimmelpilz-Mais und die Konsequenzen beraten. Der Hintergrund: Über den niedersächsischen Hafen Brake kommen aus Serbien 45 000 Tonnen vergifteter Mais. 35 000 Tonnen können noch gestoppt werden. Der Rest wird zu Tierfutter verarbeitet und an die Höfe geliefert.

Für Niedersachsens Landwirtschafts-Staatssekretär, Udo Paschedag, könnte der Vorfall ein erneutes Indiz für den Preisdruck in der Branche sein. „Es zeigt einfach, dass es auch ein Stück weit an dem System liegt. Denn der Futtermittelimporteur muss sich natürlich fragen lassen, warum er so etwas aus Serbien hierher holt. Ich vermute einmal, es geht über den Preis: Je billiger, desto schöner. Und weniger über die Qualität“, sagt er.

Seit Jahren protestierten die Milchbauern immer wieder wegen zu niedriger Literpreise, über die kaum die Kosten gedeckt werden könnten. Bei der Interessengemeinschaft Landvolk in Niedersachsen stößt die Äußerung des Staatssekretärs aber auf Unverständnis. Natürlich versuchten die Bauern, die Kosten möglichst gering zu halten, so Sprecherin Gabi von der Brelie. Klar sei aber auch: „Wer Futter kauft, erwartet sichere Futtermittel. Wie ich als Verbraucher beim Einkaufen sichere Lebensmittel erwarte, tun dies die Landwirte beim Futter auch.“

Für die Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft in Niedersachsen ist die Aussage des Staatssekretärs indes nicht aus der Luft gegriffen. Es müsse rasch und konsequent geprüft werden, ob der belastete Mais gar mit Wissen von Händlern oder Tierfutterherstellern in den Verkehr gebracht worden sei. Die Gemeinschaft kritisiert undurchschaubare agrarindustrielle Wege von Billigst-Lebensmitteln und auch Futtermitteln zu Discounter-Preisen.

„Ich bin seit Dienstag letzter Woche im Amt. Ich habe seitdem drei Skandale“, sagt Paschedag. Für das Landwirtschaftsressort der noch jungen rot-grünen niedersächsischen Landesregierung gab es mit dem Pferdefleisch und möglicherweise falsch deklarierten Eiern bislang wenig Zeit, einmal Luft zu holen.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) war erst am Vortag über den Schimmelpilz-Mais informiert worden, während die Experten in seiner Behörde dem Verdacht schon länger nachgingen. Warnungen gab es genug. Bereits im Herbst hatte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) vor einer möglichen Belastung mit dem krebserregenden Schimmelpilzgift Aflatoxin gewarnt. EU-weit waren Schnellwarnungen über den Mais eingegangen.

Auch in Serbien, von wo der Mais importiert wurde, war das Problem bekannt. Dort breitete sich der Pilz im vergangenen Jahr aus. Am Donnerstag erhöhte die Regierung dort die erlaubte Menge des Pilzgiftes Aflatoxin pro Liter Milch um das Zehnfache. Zudem reagiert man auf den Unmut in Deutschland mit Galgenhumor. Auf der Homepage des Belgrader TV-Senders B92 schreibt ein Bürger: „Sorgt Euch nicht. (Unser Landwirtschaftsminister Goran) Knezevic hat die Lösung. Die zulässige Menge des Gifts nur um das Zehnfache anheben!“

dpa

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