Bürger auf Patrouille

Schlaflose Nächte in der Elbmarsch

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„Erst brennt Stroh, dann bewohnte Häuser“: Lutz Wreide von der Feuerwehr steht in der Bütlinger Straße 6. Hier brannte das erste Haus.

Bütlingen - Die Bürger sind verunsichert. Wen trifft es als nächstes? In Bütlingen in der Samtgemeinde Elbmarsch gab es sieben Brandstiftungen in kurzer Zeit. Jetzt gehen die Dorfbewohner selbst auf Patrouille.

„Wir fühlen uns hier nicht mehr sicher“, sagt der Dorfbewohner und steigt von seinem Fahrrad. Er wohnt neben einem der zwei ausgebrannten Häuser in Bütlingen in der Samtgemeinde Elbmarsch und rümpft die Nase. Der Geruch von verbranntem Reet und Holz zieht vorbei. Zwei Häuser wurden innerhalb weniger Tage angezündet. Ein Brandstifter treibt seit Anfang vergangener Woche sein Unwesen im Landkreis Harburg. Siebenmal hat es bisher gebrannt - fünfmal in Bütlingen. Bevor die beiden Häuser in Flammen aufgingen, zündete der Brandstifter Strohballen, Holzstapel und Müllsäcke an.

„Viele haben ihre gepackte Taschen bereit stehen. Niemand weiß, wen es als nächstes trifft“, erzählt eine Nachbarin. Sie möchte ihren Namen nicht nennen - aus Angst, dass es bald das eigene Haus sein könnte, das in Flammen aufgeht. „Der oder die Täter genießen doch unsere Angst und die ganze Aufmerksamkeit“, sagt die Frau. Die Anspannung ist spürbar. Bei Tag ist es ruhig in Bütlingen, die Straßen sind leer. Hier und da schaut jemand durch das Fenster. Die Bürger sind aufmerksamer geworden - sie wollen sich selbst schützen: Seit einigen Nächten gehen die Bewohner mit Taschenlampen auf Patrouille durch den Ort. Sie sind zur Stelle, wenn plötzlich Licht durch einen Bewegungsmelder angeht. „Wir können ohnehin nicht ruhig schlafen“, sagt ein Mann. Er wechselt sich mit seinen erwachsenen Kindern und den Nachbarn ab, durchwacht in Schichten die dunkle Nacht.

Denn immer spät hat der Brandstifter zugeschlagen. Zumindest bisher. Es brannte im Schutz der Dunkelheit - vier Mal um 22.30 Uhr. „Vielleicht hat die Uhrzeit eine Bedeutung für den Täter. Eine magische Zahl oder so“, rätselt ein Anwohner. Der Feuerteufel hatte sich auf Bütlingen beschränkt - mit Ausnahme von 100 brennenden Strohballen ein paar Kilometer entfernt - und nur Reetdachhäuser angezündet. Am Donnerstagmorgen änderte sich die Vorgehensweise - und schürt die Angst der Dorfbewohner noch weiter. Ein Haus in Marschacht brannte. Ein mit Ziegeln gedecktes Haus. Diesmal legte der Brandstifter schon morgens um 9.45 Uhr Feuer.

100 Feuerwehrleute von sieben Wehren waren laut Pressesprecher Lutz Wreide schnell zur Stelle und bekämpften die Flammen. Auch die Kameraden sind angespannt. „Die hohe Einsatzfrequenz ist eine Belastung. Es sind freiwillige Feuerwehrleute, die tagsüber arbeiten gehen“, sagt Wreide.

Neben der Feuerwehr ist auch die Polizei derzeit oft im Dorf unterwegs. „Wir zeigen natürlich Präsenz“, sagt Polizeisprecher Jan Krüger. Zivil und mit Streifenwagen fahren die Beamten durch das Dorf. Eine heiße Spur zu den Tätern gibt es laut Krüger bisher nicht. „Es erschreckt uns, dass die Brände jetzt am helllichten Tag gelegt werden“, sagt er über den jüngsten Hausbrand - eine eindeutige Brandstiftung. Dass die Bütlinger mit Taschenlampen auf Patrouille gehen, versteht Krüger. Er appelliert aber an alle, dass sich niemand in Gefahr begeben soll.

Gefahr gibt es in dieser Nacht keine: Die Bütlinger laufen herum, den Brandgeruch in der Nase und die Augen offen, und bewachen ihre Häuser. In dieser Nacht bleibt es ruhig.

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