Organisierte Kriminalität

Schlag gegen georgische Diebesbanden

Hann. Münden - Polizei und Justiz ist ein Schlag gegen organisierte georgische Diebesbanden gelungen, die seit Monaten im Kreis Göttingen ihr Unwesen treiben. Nur wenige Tage nach einem Einbruch in Hedemünden schickte das Amtsgericht Hann. Münden am Mittwoch zwei Georgier für neun Monate in Haft.

Mit dem Urteil sollte auch ein Zeichen gesetzt werden. Seitdem vor drei Monaten erstmals Asylbewerber aus dem osteuropäischen Land im Grenzdurchgangslager Friedland aufgenommen wurden, häufen sich die Diebstähle und Einbrüche in der Region. Nach den Erkenntnissen der Ermittler werden georgische Diebesbanden europaweit zentral gelenkt. Allein im Bereich der Polizeiinspektion Göttingen werden sie für 60 Straftaten verantwortlich gemacht.

Die beiden 28 und 33 Jahre alten Verurteilten waren erst am vergangenen Donnerstag mit dem Zug von Friedland nach Hedemünden gefahren und in ein Wohnhaus eingestiegen. Dort erbeuteten sie unter anderem Schmuck, Uhren, einen Laptop und eine Kamera. Wenig später gerieten sie in die Fänge einer Zivilstreife. Anwohner hatten die Polizei informiert, weil ihnen die Männer verdächtig vorgekommen waren. Bei der Personenkontrolle entdeckten die Beamten eine Tüte mit der Beute.

Dem 28-Jährigen gelang es zunächst, sich durch eine spektakuläre Flucht der Festnahme zu entziehen. Er rannte über die Bahngleise, sprang über mehrere Zäune und schlug sich durch eine breite Dornenhecke. Um den Entflohenen verfolgen zu können, wurde die Bahnstrecke zwischen Hedemünden und Witzenhausen gesperrt. Fünf Stunden nach der Tat wurde er festgenommen. Der Haftrichter beim Amtsgericht Hann.Münden ordnete die so genannte Hauptverhandlungshaft an, sodass in einem beschleunigten Verfahren über den Fall entschieden wurde.

Die beiden Angeklagten zeigten sich weitgehend geständig. Der 28-Jährige, der sich seit Mitte Mai in Deutschland aufhält, war bereits vorher durch Straftaten aufgefallen. Er hat in einem Supermarkt in Friedland Hausverbot, weil er dort Mitarbeiter angespuckt und beleidigt haben soll. Außerdem soll er in mehreren Läden in Göttingen Turnschuhe und ein Laptop gestohlen haben. Der 33-jährige Mitangeklagte war in Frankreich auffällig geworden.

Über die Hintergründe ihrer Taten machten die Angeklagten keine Angaben. Die Polizei vermutet Strukturen der organisierten Kriminalität. Ein Schwerpunkt der georgischen Diebesmafia soll sich im Raum Braunschweig befinden. Nach einem in der Verhandlung verlesenen Bericht setzen sich die Banden fast ausschließlich aus Asylbewerbern zusammen, die offenbar gezielt zum Stehlen nach Deutschland kommen und arbeitsteilig und in wechselnder Zusammensetzung Ladendiebstähle und Wohnungseinbrüche begehen.

Heidi Niemann

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