Deutsche horten Glühbirnen, Zigaretten und mehr

Für schlechte
 Zeiten

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Foto: Viele Bürger setzen weiter auf die Glühbirne – auch wenn sie dafür Hamsterkäufe machen mussten.

Berlin - Die Deutschen horten Glühbirnen und andere 
vom Markt genommene Produkte – für den 
Katastrophenfall aber sind sie kaum gerüstet.

Helmut Schmidt hortet Tausende Mentholzigaretten, in Peer Steinbrücks Keller stapeln sich Hunderte Glühbirnen. „Weil ich nicht weiß, ob ich die in fünf Jahren für meine französische Lampe noch bekomme“, sagt der Mann, der Bundeskanzler werden will. Auch der Altkanzler, Deutschlands berühmtester Raucher, fürchte ein Verbot. Sie sind in guter Gesellschaft.

Tausende Deutsche fuhren zu Hamsterkäufen in Baumärkte, als die EU nach und nach die Glühbirnen ausknipste. Bargeld und Gold horten sie tonnenweise. Es gibt Menschen, die lagern Dutzende Flaschen ihres Lieblingsduschbads. Überlebensnotwendiges dagegen – Konserven, Campingkocher, Kerzen – halten nur wenige Bürger bereit. Dabei habe gerade erst das Hochwasser in weiten Teilen des Landes gezeigt, wie schnell und unerwartet auch die Deutschen in eine Notsituation geraten können.

Das Bundesernährungsministerium hat eine Checkliste für den Fall der Fälle zusammengestellt. Damit eine vierköpfige Familie in Notsituationen zwei Wochen über die Runden kommen kann, braucht sie unter anderem folgende Vorräte: 4 Kilogramm Vollkornbrot, 2,8 Kilogramm Kirschen im Glas, 40 Eier, 112 Liter Mineralwasser und viele, viele Konserven. Insgesamt sind es etwa 50 Posten.

Schon bei einem längerem Stromausfall helfe ein privater Vorrat, auch wenn Schnee oder Hochwasser den Haushalt von der Außenwelt abschneiden, heißt es beim Ministerium. Der Bund selbst hortet viele Tausend Tonnen Getreide, Reis, Hülsenfrüchte und Kondensmilch. Doch wer hat zu Hause schon 13 Kisten Wasser im Keller?

„Wenn nichts passiert, sorgt man auch nicht vor“, sagt Ute Menski. „Die meisten Leute haben ja auch keine Patientenverfügung und auch kein Testament.“ Die Ernährungswissenschaftlerin der Freien Universität Berlin hat Betroffene befragt, als 2005 im Münsterland die Leitungsmasten unter der Schneelast zusammensackten und der Strom mehrere Tage ausfiel. Viele hatten ein paar Konserven, aber für einen längerfristigen Ausfall hätte das nicht gereicht, meint Menski.

„Ganz schnell können auch Sie einem Brand, Hochwasser, Chemieunfall, Stromausfall oder anderen Gefahren ausgesetzt sein“, warnt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Dann sei es für das Vorsorgen zu spät. Nach einer Umfrage des Amts hat jeder fünfte Deutsche keine Lebensmittelvorräte. Jeder achte hat kein Trinkwasser auf Lager. Anders ist es bei der Generation, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt hat. Sie habe häufig noch Regale voller Einmachgläser, sagt Menski. „Aber wir wissen nicht, was es heißt, Hunger zu haben. Man kann sich zur Not ja eine Tiefkühlpizza an der Tankstelle holen.“

Bestens gerüstet ist dagegen die selbst ernannte Gruppe der Preppers – nach dem englischen Wort „Prepardeness“ (Bereitschaft). Sie rüsten sich aus bis auf die Zähne, um Katastrophen zu überstehen – von der Petroleumlampe bis zur Wasseraufbereitungsanlage. In Internetforen tauschen sie sich über Solarkocher, Nachtsichtgeräte und Alkohol als Tauschware aus.

Ihr Geld haben nach der Finanzkrise 2009 dagegen zahlreiche Bürger in Sicherheit gebracht: Viele holten damals ihr Erspartes in 500-Euro-Scheinen von der Bank. „Bargeld wird als Wertaufbewahrungsmedium geschätzt“, sagt Helmut Rittgen von der Bundesbank. Etwa zehn bis 30 Prozent des Bargelds werde nach seinen Angaben gehortet – zusammen mit 8000 Tonnen Gold, wie eine Umfrage der Berliner Steinbeis-Hochschule ergab. Die Hälfte der Befragten bewahrt die Barren zu Hause auf.

Im Notfall

Wie sich Bürger in Notsituationen verhalten sollen, beschreibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK) in der Broschüre „Für den Notfall vorgesorgt“. Neben ausreichend Lebensmitteln sollten unter anderem folgende Gebrauchsgegenstände und Vorräte in jedem Haushalt vorhanden sein:

  1. Kerzen und Teelichter
  2. Taschenlampe
  3. ein batteriebetriebenes Radio mit UKW- und Mittelwellenempfang
  4. Grill- und Holzkohle/Brennstoffe
  5. Ersatzbirnen für Taschenlampen
  6. Batterien
  7. Zündmittel
  8. Camping-/Sprirituskocher
  9. Schmierseife
  10. Toilettenpapier
  11. Eine Hausapotheke mit Verbandskasten, Schmerzmittel, Mittel gegen Durchfall, Splitterpinzette, Wunddesinfektionsmittel und Hautdesinfektionsmittel.

Wichtig ist, die Verfallsdaten aller Vorräte regelmäßig zu prüfen.

vm

dpa

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