Wortphänomene in Niedersachsen

Schlickern, schnösen - oder schnucken?

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Was macht man denn nun mit einem Lolli? Schlickern oder schnösen? Vielleicht auch einfach: genießen.

- Es gibt eine niedersächsische Besonderheit - denn nur im Nordwesten des deutschen Sprachraums gibt es ein Wort, das den Klang des Kindermundes beim genussvollen Lutschen und Schmatzen der Süßspeise wiedergeben kann: Schlickern. Sprachforscher haben untersucht, welche Wortphänomene es in Niedersachsen gibt.

Wenn Eltern mit ihren Kindern einkaufen gehen, kommt unweigerlich der Moment, an dem sie sich in die Schlange an der Kasse einreihen müssen, und das Quengeln beginnt. Denn dort im Regal liegen - ja, was eigentlich? Die Naschsachen? Die Süßigkeiten? Regional gibt es große Unterschiede, wie Süßigkeiten und der Verzehr derselben genannt werden. Und es gibt eine niedersächsische Besonderheit - denn nur im Nordwesten des deutschen Sprachraums gibt es ein Wort, das den Klang des Kindermundes beim genussvollen Lutschen und Schmatzen der Süßspeise wiedergeben kann: Schlickern.

Die Verbreitung von regionalen Wortphänomenen haben Forscher der Universität Salzburg im Atlas zur deutschen Alltagssprache zusammengefasst. Schlickern ist in Niedersachsen und Teilen Nordrhein-Westfalens verbreitet, sehr viel häufiger ist dagegen das Wort naschen. Das wiederum ist laut den Forschern mit dem Wort nagen verwandt und findet sich überall im deutschen Sprachraum - mit Ausnahme der Schweiz, wo das Wort schlecken vorherrscht. Regionale Besonderheiten gibt es außerdem noch an der Mosel, wo Kinder den Süßkram schnausen, in Rheinland-Pfalz, wo geschnökert oder geschnöst wird, oder in Nordhessen, wo Kinder gern schnucken. Alle diese Wörter könnten, so meinen die Forscher, tatsächlich lautmalerisch vom Schmatzen abgeleitet worden sein, anders übrigens als das seltener gebrauchte Wort schnabulieren. Das wurde im 16. und 17. Jahrhundert als scherzhafte Ableitung aus dem Wort Schnabel gebildet.

Tatsächlich reden vor allem Kinder, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, und sorgen damit für viele Variationen. Zum Beispiel das Fangenspiel. Oder Packen. Oder Haschen, Greifen, Nachlaufen oder Fangkus. Und wie heißt noch mal der Ort, an dem man nicht gefangen werden darf? In Hannover gern Klipp oder Klippo, doch die Salzburger Forscher haben im deutschen Sprachraum auch Frei, Freio, Boot, Bütt, Leo, Zick, Insel, Hoch, Wupp, Pulle, Pott und Hola gefunden. Der häufigste Name für den sicheren Ort, der tatsächlich von Sylt bis Südtirol immer wieder verwendet wird, ist dagegen ziemlich simpel: Aus.

Wenn Kinder aus verschiedenen Sprachzonen miteinander spielen wollen, werden sie sich schon irgendwie verständigen können. Und die Schlickersachen teilen. Ist alles jedenfalls kein Grund, sich zu raufen oder sich zu kloppen. Oder zu balgen, schlagen, prügeln, hauen, dreschen …

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