Truppenübungsplatz Bergen

Schloss Bredebeck droht der Verfall

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Komfortable Räumlichkeiten, für die es derzeit keine Verwendung mehr gibt. Das Schloss gehörte einst der Familie von Paul Kühling, der es jetzt noch einmal inspizieren durfte.

Bergen - Britische Offiziere haben das historisches Gebäude auf dem Truppenübungsplatz Bergen vor wenigen Tagen geräumt. Einst gab es aus Schloss Bredebeck rauschende Feste – doch jetzt droht dem Herrenhaus der Verfall.

Fast 80 Jahre lang war es fest in der Hand des Militärs, die meiste Zeit als Luxusquartier für Offiziere. Seit wenigen Tagen steht das Schloss Bredebeck leer. Einem der schönsten Gebäude auf dem Truppenübungsplatz Bergen droht der Verfall, denn neue Nutzer sind nicht in Sicht.

Wer heute durch das in den Jahren 1901 und 1902 errichtete Herrenhaus schlendert, sucht vergeblich nach Spuren der letzten Bewohner. Jungen Offizieren der in der Heide stationierten britischen Regimenter wurde auf Schloss Bredebeck ein Komfort ganz besonderer Art geboten. Sie lebten in Einzelzimmern, deren Größe sich nach dem Dienstgrad richtete. „Der Jüngste bekam immer die kleinste Kammer unter dem Dach“, sagt Neil Saunders, der heute für die Sicherheit und Bewachung des hotelähnlichen Hauses zuständig ist. Wer mochte, durfte sein Reitpferd mitbringen und auch den zum Schloss gehörenden Polo-Platz nutzen. Ein Golf- und ein Tennisplatz dienten dem Zeitvertreib.

Das alles ist seit dem Abzug der Briten Vergangenheit. In Bredebeck wird auch nicht mehr zur feudalen Party aus Anlass des Geburtstags von Königin Elizabeth geladen oder zur Schleppjagd hinter der Niedersachsen-Meute geblasen. Die Pferdeställe hinter dem Schloss sind geräumt, auch der Vorratskeller ist leer. Fast das gesamte Mobiliar befindet sich auf dem Weg nach Catterick im britischen Yorkshire. Auch der große Billardtisch aus dem Arbeitszimmer des letzten zivilen Schlossherren wurde abtransportiert, genau wie das Regimentssilber und der repräsentative lange Tisch aus dem Speisesaal.

Nur die hochmodene Küche, von den Briten vor wenigen Jahren für angeblich 1,5 Millionen Euro behutsam an das Schloss angefügt, blieb in der Heide zurück. Wer dort künftig am Herd stehen wird, vermag niemand zu sagen. Zivile Käufer dürften nur schwer zu finden sein. Bredebeck liegt im Sicherheitsbereich des Truppenübungsplatzes und ist nur über eine Straße zu erreichen, die für den privaten Autoverkehr gesperrt ist.

Paul Kühling, Sohn eines Hamburger Schiffsmanagers, der Bredebeck in ein Schloss verwandelte, weiß, dass dort in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts rauschende Feste gefeiert wurden. „Gut betuchte Hamburger Kaufleute kamen gern zu uns“, sagt der 1929 geborene Pensionär, „auch wegen der Jagd oder wegen der schönen Ausritte durch Wald und Heide.“ Rund 400 Hektar Grundeigentum gehörten der Familie Kühling, die 1936 ihr Hab und Gut an die Wehrmacht abtreten musste, als zwischen Celle und Fallingbostel der Truppenübungsplatz Bergen eingerichtet wurde.

Kühling ist den Briten dankbar, dass sie ihm in den vergangenen Jahren immer wieder die Türen von Schloss Bredebeck geöffnet haben. Da konnte er oft in Erinnerungen schwelgen. Dieser Tage ist er erneut durch das Gebäude gestreift - angesichts der jüngsten Entwicklungen allerdings mit etwas mehr Wehmut als sonst.

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