Wintervergnügen

Bei Schnee sieht alles anders aus

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Foto: Zum Rodeln reicht's: Eltern und Kinder freuen sich am Kronsberg über den Schnee.

Hannover - Glatte Straßen, weiße Landschaften: Am letzten Januar-Wochenende machte sich auch in Niedersachsen der Winter bemerkbar. Die Gelegenheit nutzten einige, um sich auf den Rodelbahnen in Hannover am Winterwunder zu erfreuen.

Gleich sind sie oben am Hochbehälter. Tina Gormanns zieht ihre dreijährige Tochter Paula auf dem Schlitten hinter sich her, die Kleine juchzt vor Freude. Vater Lutz lässt den Blick über die Gipfelkuppe des Lindener Bergs schweifen – wo, bitteschön, kann man hier rodeln? Dann erspäht er das Straßenschild: „Rodelbahn“. Es ist Sonntagmorgen um halb elf, Gormanns sind die ersten auf dem Hügelchen am Straßenrand, bei lockerem Neuschnee kommt man hier mit dem Schlitten 20 Meter weit. Wenn der Schnee erst festgetreten und -gefahren ist, kann man die Piste Richtung Bornumer Straße 200Meter hinunter fahren. Dann sind hier auch Jugendliche unterwegs.

Fällt Schnee, zieht es Großstadtfamilien zu den Hügeln. Und davon gibt es Dutzende in Hannover. Neben der Schwanenburgbrücke tobt das pralle Rodelleben, im Welfengarten versucht eine kleine Schar von Schlittenfahrern, aus zwei Metern Höhenunterschied das Beste zu machen, auf einem Grünstreifen an der Fössestraße kreischen Kinder und Eltern um die Wette. „Das Schöne ist“, sagt Mutter Baukje Dobberstein, „dass man auf diesen Hügeln schnell wieder oben ist“. Auch Tochter Wiebke weiß das zu schätzen.

Leonie, zweieinhalb Jahre jung, hat noch keinen Schlitten. Dafür haben Tatjana und Arndt Hildebrandt ihrer Tochter eine kleine Schaufel eingepackt, damit sie im Ahlemer Willy-Spahn-Park Schnee aufhäufeln kann . Doch lieber noch guckt sie den Größeren zu, die Richtung Kalkbrennofen rutschen. Und wie wäre es, einen Schneemann zu bauen? Klappt nicht. Das Weiß ist zu pulvrig, bei minus acht Grad pappt nichts zusammen.

Die Straßenverhältnisse sind an diesem Wintersonntag sehr unterschiedlich. Die Schnellwege? Geräumt. Die Hauptstraßen? Vermatscht. Die Nebenstraßen? Dank festgefahrener Schneedecke wenigstens noch ein wenig weiß. Heinz Soural, 71Jahre alt und passionierter Radfahrer, lässt sich durch die Schneeglätte nicht bremsen. Nach dem Gottesdienst in der Bethlehemkirche dreht der rüstige Rentner noch ein paar Runden durch Linden. Etwas wackelig kommt er voran. Aus „Lust an der Freude“ benutze er das Rad, sagt er. Und: „Ich dusche ja auch kalt.“ Immerhin hat der Mann 36Jahre lang Telegramme ausgefahren, da lassen ihn ein paar Zentimeter Neuschnee eher kalt. Respekt hat Soural lediglich, wenn er Eis unter der Schneedecke ausmacht: Dann steuert er sein Rad gern auf gestreute Bürgersteige.

Für Schlitten ziehende Eltern sind gestreute Wege ein Graus. Sand und Splitt lassen die Kufen knirschen und machen das Vorankommen schwer. Doch es gibt nun mal die Bürgerpflicht, Bürgersteige trittsicher zu machen. Robert Tremmel schiebt auf der Mönckebergallee Schneereste zusammen, die ein Räumfahrzeug auf die Garagenzufahrt geschaufelt hat. „Ist aber nicht schlimm, die frische Winterluft tut mir gut“, meint der Ahlemer. Gewiefte Hausbesitzer gehen übrigens schon frühmorgens vor die Tür. Wenn das Weiß noch jungfräulich ist, lässt sich der Schnee ganz einfach wegfegen, weiß Tremmen zu berichten.

Horst und Lieselotte Schmeling sind dankbar für jede Strecke, die von Schnee und Eis befreit ist. Beide sind 94 Jahre alt, am gleichen Tag geboren, seit 63 Jahren verheiratet. Jetzt schieben sie sich mit ihren Rollatoren ganz vorsichtig auf dem Gehweg an der Wunstorfer Landstraße entlang. „Normalerweise brauchen wir von Daheim bis zum Restaurant am Rathaus 20Minuten, aber bei Schnee und Eis dauert’s zehn Minuten länger“, erzählt die Rentnerin. Leider gebe es immer noch zu viele Hausbesitzer, die nicht vor der eigenen Tür kehren – aber sie und ihr Mann kämen schon durch.

Gar nicht glatt genug kann es anderen sein, zumal wenn sie sportlich veranlagt sind. So lässt sich der 14-jährige Philipp Hanke auf dem Kronsberg von einem großen Drachen übers Feld ziehen. Seine Füße? Stecken in einem Snowboard. Große Sprünge kann der Bemeroder an diesem Sonntag nicht machen beim sogenannten Snowkiting, dazu weht der eiskalte Wind nicht kräftig genug – aber das Gleiten über den gepuderten Acker ist spannend genug.

Lars Brunnermeier schätzt ein anderes Vergnügen. Er ist auf Langlaufskiern unterwegs – im Vahrenwalder Park. Für zehn Runden à 500 Meter, erzählt er, brauche er etwa eine Stunde. Er liebt die Ruhe in der Grünanlage an der Dragonerstraße, fährt seinen Stiefel schon seit Jahren: „So spare ich mir die Anfahrt in die klassischen Wintersportgebiete.“

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