80 Menschen sterben bei Unglück in Spanien

Schockierendes Video zeigt Zugentgleisung

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Bei einem Zugunglück in Spanien sind am Mittwoch zahlreiche Menschen ums Leben gekommen.

Santiago de Compostela - Spanien steht unter Schock: Eines der schwersten Zugunglücke in der Geschichte des Landes hat mindestens 80 Menschen in den Tod gerissen. Ein Video aus einer Überwachungskamera zeigt, wie die Bahn entgleist. Dass der Zug viel zu schnell fuhr, scheint festzustehen. Doch warum?

Bei dem schwersten Bahnunglück in Spanien seit rund 40 Jahren sind nach vorläufigen Angaben 80 Menschen ums Leben gekommen. Die Zahl wurde am Donnerstagabend von zuvor 78 nach oben korrigiert. 53 der Opfer seien bisher identifiziert worden. Kurz zuvor hatte die Regierung Galiciens bekanntgegeben, dass 83 der insgesamt 178 Verletzten, die nach dem Unglück am späten Mittwochabend in Krankenhäuser gebracht worden waren, inzwischen entlassen worden seien. 32 Erwachsene und vier Kinder seien noch „in kritischem Zustand“, hieß es weiter.Die Katastrophe nahe der Pilgerstadt Santiago de Compostela war das erste tödliche Unglück auf einer Strecke des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes. Nach ersten Erkenntnissen war der Schnellzug etwa vier Kilometer vor dem Bahnhof des Wallfahrtsortes mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit in eine Kurve eingebogen und entgleist. Eine Überwachungskamera filmte, wie der Zug mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve kommt und aus den Schienen springt.

Der Lokführer räumte nach Angaben aus Ermittlerkreisen ein, viel zu schnell gefahren zu sein. Der Zug sei mit etwa 190 Stundenkilometern unterwegs gewesen, obwohl in der Unglückskurve höchstens Tempo 80 zulässig gewesen sei. Über den Grund für die überhöhte Geschwindigkeit wurde zunächst nichts bekannt.

In dem Zug waren zwei Lokführer unterwegs. Beide überlebten nahezu unverletzt. Einer von ihnen soll in einem Gespräch mit seinen Vorgesetzten immer wieder in sein Handy gerufen: „Wir sind entgleist! Was können wir tun?“

Die staatliche Bahngesellschaft Renfe warnte vor vorschnellen Schlussfolgerungen. Renfe-Präsident Julio Gómez-Pomar erklärte, der Unglückszug sei am Morgen vor dem Unfall inspiziert worden. Polizei- und Eisenbahnexperten untersuchen die Unfallursache. Einen Anschlag schlossen die Ermittler aus. Ministerpräsident Mariano Rajoy, der selbst aus Santiago stammt, besuchte am Donnerstag die Unfallstelle.

Der Unglückszug war am Mittwoch auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt Ferrol im Nordwesten Spaniens. An Bord waren etwa 220 Passagiere. Die Bergungsmannschaften durchsuchten am Donnerstagmorgen die beiden am schwersten zerstörten Waggons und stellten fest, dass sich dort keine weiteren Opfer befanden. An der Unfallstelle hatten die ganze Nacht über Rettungskräfte gearbeitet. Die Menschen wurden zu Blutspenden aufgerufen.

Die Waggons des Zuges wurden bei dem Unglück auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Betonwand und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg.

Papst Franziskus zeigte sich betroffen über das Bahnunglück. Der Papst sei über den Unfall informiert worden und im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer.

Bundeskanzlerin Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte ebenfalls erschüttert und übermittelte die Anteilnahme Deutschlands „in diesen Stunden des Schmerzes“. „Die Bilder von der Unglücksstelle lassen das entsetzliche Leid nur erahnen“, schrieb Merkel in einem Telegramm an Rajoy. Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) bekundete seine Trauer.

Am kommenden Wochenende hatte in Santiago de Compostela ein großes Fest zu Ehren des Heiligen Jakobs stattfinden sollen. Die Stadt sagte die Feierlichkeiten, die das wichtigste Fest des Jahres in der Pilgermetropole sein sollten, wegen des Zugunglücks ab. Stattdessen wurde eine einwöchige Staatstrauer in Galicien angeordnet.

dpa

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